© Annemarie Popp / Universität Bremen
20 Jahre Alumni-Verein der Universität Bremen: Ein Netzwerk, das verbindet
Gründungsmitglieder Dr. Tim Nesemann und Dr. Katerina Vatsella erzählen, wie aus einer Idee ein Netzwerk mit heute rund 4.700 Mitgliedern wurde
Seit 2006 verbindet der Verein „Alumni der Universität Bremen e.V.“ ehemalige Studierende, Mitarbeitende und die Universität über das Studium hinaus. Im Interview blicken der Vorstandsvorsitzende des Alumni-Vereins, Dr. Tim Nesemann, und Vorstandsbeisitzerin Dr. Katerina Vatsella auf die Anfänge zurück, erinnern sich an besondere Begegnungen und erklären, warum persönliche Kontakte auch im digitalen Zeitalter unverzichtbar bleiben.
Wie entstand der Alumni-Verein vor 20 Jahren? Welche Idee stand dahinter?
Katerina Vatsella: Dem damaligen Uni-Rektor Wilfried Müller war es sehr wichtig, wie die Universität in der Stadtgesellschaft wahrgenommen wird und wie beide Bereiche voneinander profitieren können. 2003 rief er den sogenannten Rector’s Circle ins Leben – einen Beratungskreis mit internen und externen Vertreter:innen aus verschiedenen Fachbereichen. Ich war aus dem Kulturbereich dabei als Kunsthistorikerin und freie Ausstellungskuratorin. Neben dem Ziel, die Universität stärker mit der Gesellschaft zu verbinden, wünschte sich Wilfried Müller von den Teilnehmenden des Rector’s Circle auch konkrete Unterstützung durch Rat, Ideen, Projekte oder finanzielle Förderung. In diesem Zusammenhang entwickelte er die Idee eines Alumni-Vereins, der eigenständig außerhalb der Universitätsverwaltung agieren kann – dazu wollte ich, neben einem anderen Projekt, gerne beitragen. Er brachte mich dafür mit Tim Nesemann sowie Andreas Kottisch als drittes Gründungsmitglied zusammen.
Tim Nesemann: Wilfried Müller sprach mich damals an, weil er auch jemanden aus der Wirtschaft bei der Gründung des Alumni-Vereins dabeihaben wollte. Zu der Zeit war ich schon im Vorstand der Sparkasse Bremen tätig. Ihm war wichtig, dass die Absolvent:innen enger an die Uni gebunden werden und ihr später etwas zurückgeben. Ich weiß noch, wie wir damals zusammensaßen und überlegten, mit welchen sieben Absolvent:innen wir in die Gründung gehen sollen – denn als Verein braucht man sieben Mitglieder.
Katerina Vatsella: Es gab damals bereits ein uni-internes Ehemaligenbüro mit einem Verzeichnis von Absolvent:innen, das wir nutzen konnten, um auf die Gründung des Vereins aufmerksam zu machen und als neuer Verein zu Veranstaltungen einzuladen. Die Mitgliedschaft war zunächst kostenlos. Wir haben erste Veranstaltungen organisiert, das war damals eine richtige Aufbruchstimmung und hat viel Spaß gemacht. Seit 2014 können auch Personen Mitglied werden, die keine Absolvent:innen sind, sondern ehemalige Mitarbeitende oder auf andere Weise mit der Universität verbunden sind. Das ist uns auch sehr wichtig.
© Annemarie Popp
Was bedeutet Alumni-Arbeit heute? Hat sich etwas über die Jahre verändert?
Vatsella: Nach den ersten Veranstaltungen haben wir gemerkt, dass es kaum zu stemmen ist, neben dem Beruf ehrenamtlich so viel zu organisieren und vor allem ständig Sponsor:innen für neue Mittel zu gewinnen. Wir hatten damals schon einige Fördermitglieder, die den Verein über den normalen Beitrag hinaus unterstützten. Dennoch hat es bis 2013 gedauert, bis wir einen Mitgliedsbeitrag eingeführt haben. Dadurch ging die Mitgliederzahl, wie erwartet, zunächst rapide zurück. Danach mussten wir uns und unser Angebot stärker bekannt machen. Und im Laufe der Jahre wuchs unser Verein, heute zählen wir rund 4.700 Mitglieder, darunter rund 100 Fördermitglieder – und es kommen beständig neue hinzu.
Und natürlich verändert sich die Arbeit mit jedem Vorstandswechsel. Es kommen immer neue Ideen und Impulse hinzu.
Nesemann: Über die Jahre haben wir viele Formate ausprobiert. Einige wurden gut angenommen, andere weniger – etwa ein Tanztee, für den sich nur wenige Interessierte angemeldet haben. Auch die universitätsinterne Arbeit war ein Prozess: Einige Fachbereiche hatten bereits ein reges Alumni-Leben und mussten zunächst von einem universitätsweiten Alumni-Verein überzeugt werden. Wir haben nie eine Konkurrenz angestrebt und unterstützen die Fachbereiche bis heute dabei, eigene Alumni-Angebote umzusetzen.
An welche Begegnungen oder Angebote erinnern Sie sich besonders gern?
Vatsella: Eine Aktion, die mir gut in Erinnerung geblieben ist, war ein Speed-Dating im Weserstadion. Alumni, die über ihren Beruf erzählen konnten, wurden mit interessierten Studierenden zusammengebracht. Auch die Veranstaltungsreihe „Netzwerken von, für und mit Alumni“ finde ich nach wie vor besonders schön. Dabei organisieren Alumni After-Work-Events und geben Einblicke in ihren Beruf. So öffnete zum Beispiel Michael Wolff, der damals auch im Vorstand war, sein Werbefilm-Studio für einen Alumni-Besuch und ich machte Führungen in der Kunsthalle oder organisierte, wie in diesem Jahr, eine Veranstaltung im Wilhelm Wagenfeld Haus, in dessen Freundeskreis ich mich engagiere. So entstanden und entstehen immer wieder besondere Gelegenheiten, Interessantes zu erfahren und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Nesemann: Prägend war für mich bei dieser Eventreihe der Vortrag des Rechtsanwalts Bernhard Docke. Er berichtete über den Fall Murat Kurnaz und sein Engagement für dessen Freilassung aus Guantánamo. Seinen Bericht aus erster Hand zu hören, war ein echter Gänsehautmoment.
Mittlerweile gibt es auch viele digitale Vernetzungsangebote: Was kann ein Alumni-Verein bieten, was LinkedIn oder Xing nicht leisten?
Nesemann: Um in Kontakt zu bleiben oder sich innerhalb einer Branche zu vernetzen, sind solche Plattformen sicherlich gut, sie können aber nicht identitätsstiftend sein. Was unsere Absolvent:innen verbindet, ist die gemeinsame Zeit an der Universität. Wir bieten etwas, das eher einem Klassentreffen ähnelt.
Vatsella: Das digitale Zusammenkommen kann das analoge nicht ersetzen. Reale Begegnungen bleiben für mich entscheidend und führen zu echter Vernetzung, die private und berufliche Verbindungen ermöglicht. Auch deshalb sind wir nicht nur bei eigenen, sondern auch bei Absolventenfeiern und Veranstaltungen wie dem Open Campus oder dem Campuspreis präsent.
Warum engagieren Sie sich seit so vielen Jahren ehrenamtlich im Verein?
Nesemann: Ich bin sehr dankbar für meine Studienzeit an der Uni Bremen und was ich da gelernt habe. Heute möchte ich der Universität etwas zurückgeben, damit sie attraktiv bleibt. Ich bin in Bremen geboren, habe hier studiert, promoviert und arbeite hier. Meine Familie stammt seit Generationen aus Bremen. Die Uni gehört für mich zur Heimat.
Vatsella: Für mich war die Arbeit im Alumni-Verein eine tolle Möglichkeit, Wurzeln in Bremen zu schlagen. Ich bin gebürtige Griechin, habe in Zürich studiert, bin jedoch schon seit 1990 in Bremen und habe hier promoviert. Mich beflügelt es, gemeinsam mit anderen Menschen etwas zu schaffen. Und ich möchte lieber mitmachen und etwas bewirken, als auf der Tribüne sitzen und zuschauen.
Was wünschen Sie dem Verein? Wo soll er in 20 Jahren stehen?
Nesemann: Ich wünsche dem Alumni-Verein, dass er sich weiter etabliert und möglichst vielen Absolvent:innen eine Möglichkeit bietet, über das Studium hinaus mit ihrer Universität verbunden zu bleiben – als Erinnerung, aber auch, um der Uni wieder etwas zurückgeben zu können.
Vatsella: Ich wünsche dem Alumni-Verein, dass er stetig wächst und in der Stadtgesellschaft immer sichtbarer wird. Und dass sich Absolvent:innen auch lange nach ihrem Studium weiter mit ihrer Uni verbunden fühlen und sich gemeinsam mit unserem Verein für die Universität und ihre Ziele engagieren.
Mitglied werden und Teil der Uni Bremen bleiben!
Der Verein „Alumni der Universität Bremen e.V.“ bringt Absolvent:innen, ehemalige sowie aktuelle Studierende und Mitarbeitende miteinander in Kontakt und schafft Raum für Austausch sowie neue Impulse zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft.
Der Jahresbeitrag liegt bei 24 Euro, Fördermitglieder zahlen ab 100 Euro. Studierende sowie Alumni bis drei Jahre nach der Exmatrikulation zahlen 6 Euro. Mit den Mitgliedsbeiträgen werden unter anderem Netzwerkveranstaltungen und Alumni-Projekte der Fachbereiche ermöglicht. Weitere Informationen gibt es auf der Alumni Webseite der Universität Bremen.