© Matej Meza / Universität Bremen
„Pflege ist mehr als Berufung – sie ist eine Profession“
Pauline Fischer über ihren Weg vom Nachtdienst ins Studium, über das Suchen und Finden an der Uni Bremen und warum die Pflegewissenschaft endlich gehört werden muss
Pauline Fischer studiert „Berufliche Bildung Pflegewissenschaft mit Nebenfach Religionspädagogik/Wissenschaft“ im 2. Semester an der Universität Bremen. Ihr Weg ist alles andere als gradlinig: Nach ihrer Ausbildung zur Pflegefachkraft und einiger Zeit im Beruf hat sie sich entschieden, noch einmal neu anzufangen. An der Uni, ohne Abitur, dafür mit viel Leidenschaft und Ziel. Was sie hier erlebt hat, motiviert sie, das System Pflege künftig mitzugestalten.
Pauline, du bist über den zweiten Bildungsweg an die Uni gekommen – warum hast du dich nach der Pflegeausbildung für ein Studium entschieden?
Ich habe die Ausbildung zur generalisierten Pflegefachkraft gemacht, eine Ausbildung, die es erst seit 2020 gibt und die von Frau Prof. Dr. Darmann-Finck mitentwickelt wurde. Nach dem Examen habe ich erst gearbeitet, aber ich war oft orientierungslos, so wie viele in der Pflege. Durch den Personalmangel wird man irgendwo reingeworfen, ohne richtig eingearbeitet zu werden. Ich habe mich gefragt: Soll das jetzt alles gewesen sein?
Dann habe ich eine Weiterbildung zur Wundexpertin gemacht und gemerkt: Ich liebe das Lernen. Ich hatte einen tollen Dozenten, der hat mich richtig mitgerissen. Schließlich habe ich mit meinem Partner gesprochen und gesagt: „Ich kann das nicht mein Leben lang so weitermachen.“ Ich wollte raus aus der aktiven Pflege, aber nicht raus aus dem Thema. Und dann habe ich das Studienangebot in Bremen entdeckt.
Warum war die Uni Bremen für dich der richtige Ort?
Weil ich hier direkt anfangen durfte, ohne zwei Jahre Berufserfahrung, wie es andere Unis verlangen. Außerdem war die Unterstützung unglaublich. Ich habe das Studierendensekretariat fast zwei Wochen lang mit Fragen gelöchert, und alle waren super freundlich. Das hat mir gezeigt: Hier kümmert man sich.
Dazu kommt: Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck ist eine echte Koryphäe. Sie hat an der neuen Pflegeausbildung mitgearbeitet und forscht intensiv – das hat mich beeindruckt und natürlich war mir ihr Name ein Begriff.
Du studierst Berufliche Bildung Pflegewissenschaft in Kombination mit Religionspädagogik. Wie passen die beiden Fächer für dich zusammen?
Auf den ersten Blick wirken sie sehr unterschiedlich, aber die Religionswissenschaft fördert das kritische und objektive Denken und das hilft mir enorm in der Pflegewissenschaft, gerade weil Pflege emotional ist. Man braucht manchmal diesen „Außenblick“, um komplexe ethische Fragen besser einordnen zu können.
Was reizt dich am Lehramt an Berufsschulen?
Ich will neue Pflegefachkräfte ausbilden und zwar realitätsnah. Ich möchte ihnen beibringen, wie man professionell mit Engpässen umgeht, aber trotzdem menschlich bleibt. Und ich finde: Pflege wird oft als Berufung beschrieben – tatsächlich ist sie eine Profession. Das will ich auch weitergeben.
Wie erlebst du den Studienalltag auf dem Campus Bremen?
Ich liebe es, wie kompakt alles ist. Man kommt schnell überall hin, kennt sich untereinander – das fühlt sich fast familiär an. In Pflegewissenschaft sind wir eine enge Gruppe, aber auch in Religion sind die Dozierenden sehr nahbar. Es gibt Sommerfeste, Austausch unter den Semestern – man hat das Gefühl, dazuzugehören.
Du bist im StugA aktiv, machst Nachtdienste, pflegst Familienmitglieder, wie schaffst du das alles?
Es ist viel, klar. Aber der StugA ist mir wichtig, weil ich so Dinge mitgestalten kann, zum Beispiel, dass wir ein Sommerfest machen und so der Zusammenhalt wächst. Und mein Job und die Angehörigenpflege geben mir auch noch Einblicke, die mir im Studium helfen. Als Ausgleich singe ich im Gospelchor oder treffe Freund:innen. Und das Studium selbst ist für mich sogar eine Art Ausgleich, weil ich es freiwillig mache, mit Leidenschaft.
Und wie unterstützt dich die Uni Bremen bei all dem?
Die meisten Veranstaltungen sind hybrid oder online verfügbar, alles wird hochgeladen. Es gibt keine Präsenzpflicht – und das hilft. Außerdem gibt es bei uns eine große Austauschgruppe, in der alles geteilt wird. Und: Die Dozierenden sind sehr ansprechbar. Wenn du Fragen hast, bekommst du eine Antwort.
Wann hast du zum ersten Mal gespürt: „Hier wird sich um mich gekümmert“?
Schon vor dem Studium. Das Bewerbungsverfahren, die Beratung und die Geduld. Alles war besonders. Ich komme aus einer nicht-akademischen Familie, ich bin die Erste, die studiert. Ich wusste vieles einfach nicht. Und in Bremen hatte ich das Gefühl: „Wir gehen den Weg gemeinsam.“ Dieses soziale Miteinander, das ist nicht überall so.
Was würdest du Studieninteressierten raten, die keinen klassischen Weg an die Uni haben?
Habe keine Angst vor dem Studium. Die Überforderung am Anfang ist normal und sie vergeht. Du wächst rein. Es gibt Tutorien, Hilfe von Kommiliton:innen und Unterstützung von Dozierenden. Pflege verdient mehr: Mehr Wissen, mehr Tiefe, mehr Anerkennung. Ein Studium hilft dabei, das auch nach außen zu zeigen.
In einem Satz: Warum sollten Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen an der Uni Bremen studieren?
Weil Vielfalt hier großgeschrieben wird.
Studieren an der Universität Bremen
Sei, wer du bist. Das wird an der Uni Bremen gelebt und gefördert. Wenn auch Du die Universität Bremen näher kennenlernen möchtest, kannst Du uns gerne an unserem Informationstag für Studieninteressierte am 24. Juni 2026 kennenlernen. Jederzeit kannst Du gerne unsere Studienberatung kontaktieren oder Dir online ein Bild der Möglichkeiten an der Uni Bremen machen.