© Annemarie Popp / Universität Bremen
Preis für gute Lehre: Immer wieder Neues wagen
PD Dr. Barbara Aehnlich erhielt 2025 den Berninghausenpreis und spricht im Interview über ihre Lehrphilosophie
Praxisnah, veranstaltungsübergreifend und transparent: Für ihre Lehrveranstaltungsreihe zum Bremer Stadtrecht erhielt PD Dr. Barbara Aehnlich den Berninghausenpreis für hervorragende Lehre 2025 der Universität Bremen in der Kategorie „Gute Lehre“ und setzte sich unter 172 Nominierten durch. Aus der Seminarreihe der Sprachwissenschaftlerin entstand unter anderem eine von Studierenden organisierte Ausstellung. Worauf Barbara Aehnlich in ihrer Lehre besonderen Wert legt und was ihr der Preis persönlich bedeutet, hat up2date. im Interview mit ihr erfahren. Lehrende der Universität Bremen können noch bis zum 30. Juli 2026 für den diesjährigen Berninghausenpreis nominiert werden.
Frau Aehnlich, Sie sind am Fachbereich 10: Sprachwissenschaften als Lektorin tätig und beschäftigen sich mit der Sprachgeschichte des Deutschen, unter anderem mit Namensherkunft und historischer Rechtssprache. Was ist Ihnen in Ihrer Lehre besonders wichtig?
Mir ist vor allem wichtig, das Interesse der Studierenden durch einen hohen Praxisanteil zu wecken. Meiner Erfahrung nach gibt es oft eine Hemmschwelle bei der Arbeit mit älteren Sprachstufen. Deshalb versuche ich, den Stoff greifbar zu machen, indem die Studierenden direkt mit historischen Dokumenten arbeiten und aktuelle Forschungsmethoden anwenden. Ich lege außerdem großen Wert auf Selbstwirksamkeit. Jede:r soll dort abgeholt werden, wo er oder sie steht. Studienleistungen sollen nicht nur aus Klausuren und Hausarbeiten bestehen, sondern in Wissenschaft oder Gesellschaft zurückwirken – zum Beispiel in Form einer Ausstellung. Solche Ergebnisse bleiben den Studierenden nachhaltiger im Gedächtnis.
Unter anderem für diese Ausstellung und die dazugehörige Lehrveranstaltungsreihe zum Bremer Stadtrecht haben Sie 2025 den Berninghausenpreis erhalten. Wie sah die Veranstaltungsreihe aus?
In den ersten beiden Seminaren haben wir uns rund 700 Jahre alte Abschriften des Bremer Stadtrechts vorgenommen. Sie sind auf Mittelniederdeutsch verfasst und waren bis dahin nie wissenschaftlich erschlossen worden. Ziel war es, diese Inhalte der Forschung und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zugleich Einblicke zu gewinnen, wie Bremen früher organisiert war. Mithilfe der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, der SuUB, und eines dort bereitgestellten Tools haben die Studierenden die Abschriften digitalisiert, übersetzt und analysiert. Im dritten Seminar entstand auf Grundlage dieser Transkriptionen schließlich eine Ausstellung. Ich war beeindruckt, wie kreativ die Studierenden das Konzept entwickelt und beispielsweise die Vitrinen gestaltet haben. Bei der Ausstellungseröffnung im Oktober 2025 ging mir das Herz auf, zu sehen, wie sie an der Aufgabe gewachsen sind und ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit, aber natürlich auch Familie und Freunden präsentiert haben.
© Annemarie Popp / Universität Bremen
Welche Grundsätze prägen Ihre Lehre?
Für mich ist Lehre immer auch Kooperation. Deshalb begegne ich den Studierenden auf Augenhöhe und gehe auf ihre Interessen ein. Ich achte darauf, aktuelle Forschungsmethoden einzubringen und Forschendes Lernen dort einzusetzen, wo es sinnvoll ist. Auch Vorlesungen gestalte ich interaktiv, indem ich zwischendurch kleine Aufgaben stelle und Fragen aufnehme. Feedback spielt für mich ebenfalls eine große Rolle – sowohl über Evaluationsbögen als auch direkt im Seminar. Mir ist wichtig, dass die Studierenden das Gefühl haben, ehrliches Feedback geben zu können. Dafür braucht es natürlich auch ein vertrauensvolles Miteinander.
Außerdem probiere ich jedes Semester selbst etwas Neues aus. Beim Seminar zum Bremer Stadtrecht wollte ich beispielsweise herausfinden, wie sich eine Lehrveranstaltung über drei Semester mit wechselnden Studierenden organisieren lässt, sodass am Ende eine gemeinsame Ausstellung entsteht. Das war aufwendig, aber auch für mich sehr lehrreich. Gerade im Zeitalter von KI sind wir Lehrenden ständig auf der Suche nach neuen Lehrformaten und Prüfungsformen.
Haben Sie schon eine Idee, an welches Format Sie sich als Nächstes wagen möchten?
In meinem Seminar zur digitalen Onomastik, also der Namenforschung, entwickeln die Studierenden aktuell eine namenkundliche Stadtführung durch Bremen im Rahmen der Tagung „Onomastik im digitalen Zeitalter“ der Gesellschaft für Namenforschung e.V. Außerdem erstellen sie wissenschaftliche Poster, die sie den rund 70 Tagungsteilnehmenden im September präsentieren werden. So möchte ich interessierte Studierende früh mit dem Forschungsfeld in Kontakt bringen. Die Organisation und Durchführung einer Stadtführung als Studienleistung ist für mich ebenfalls Neuland. Da werde ich sicherlich wieder einiges lernen.
“An der Universität Bremen spürt man, dass die Lehre einen hohen Stellenwert hat.” Barbara Aehnlich
Was bedeutet Ihnen der Preis persönlich?
Das pinselt schon den Bauch und ist eine große Wertschätzung der eigenen Arbeit. Gleichzeitig spornt es mich an, auch künftig Neues auszuprobieren. Bei der Preisverleihung waren übrigens einige meiner Studierenden dabei – das hat mich sehr gerührt. Natürlich entsteht dadurch auch ein gewisser Druck, denn der zusätzliche Aufwand spiegelt sich nicht immer in der Stundenabrechnung wider. Trotzdem überwiegt für mich die Freude über die Anerkennung. Der Berninghausenpreis ist eine schöne Form der Wertschätzung für gute Lehre – das gibt es nicht überall. An der Universität Bremen spürt man, dass die Lehre einen hohen Stellenwert hat.
Berninghausenpreis für hervorragende Lehre
Seit 1991 verleihen die Universität Bremen und die „unifreunde - Freunde der Universität Bremen und der Constructor University Bremen“ jährlich den von der Familie Berninghausen gestifteten Preis, um besondere Leistungen in der universitären Lehre auszuzeichnen. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert und wird in den Kategorien „Gute Lehre“ und „Studierendenpreis“ verliehen. Noch bis zum 30. Juli können Nominierungen über das Online-Formular für die Verleihung 2026 eingereicht werden.