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Studieren in Japan: Ein Auslandsjahr zwischen Campus und Alltag
Masterstudentin Jasmin über das Studieren, Wohnen und Leben in Japan
Sushi, Kimonos und Mangas sind oft die ersten Bilder, die mit Japan verbunden werden. Doch wie ist es, dort zu leben, zu lernen und den Alltag zu teilen – fernab von Klischees? Jasmin studiert im Masterstudiengang Transkulturelle Studien an der Universität Bremen und hat sich genau darauf eingelassen. Für ein Auslandsjahr ist sie nach Japan gegangen und studiert an der Kwansei Gakuin University nahe Osaka. Im Gespräch mit up2date. berichtet sie von ihren Erfahrungen an einer japanischen Hochschule, vom Alltag vor Ort und davon, was sie anderen Studierenden für einen Auslandsaufenthalt mit auf den Weg geben würde.
Seit August lebst und studierst du in Japan. Was hat dich dazu bewegt, dein Auslandssemester dort zu verbringen?
Ich hatte schon im Bachelor den Wunsch, außerhalb von Europa zu studieren – am liebsten in einem fernen Land, in dem ich Leben und Studieren in einem ganz anderen kulturellen Kontext erleben kann. Die japanische Kultur fand ich auch persönlich sehr spannend. Leider war die Einreise nach Japan während Covid nicht möglich, deshalb mache ich das Auslandsjahr jetzt im Masterstudium. Die Kwansei Gakuin University in Nishinomiya ist eine Partnerhochschule der Uni Bremen, was für mich ein weiterer Grund war, mich dort zu bewerben. Da es eine etablierte Partnerschaft ist, stellte ich mir die Organisation einfacher vor – und die Studiengebühren fallen so auch weg. Mit mir sind noch fünf weitere Studierende aus anderen Studiengängen von der Uni Bremen hier.
Was studierst du dort?
Ich studiere im sogenannten „Modern Japan Track“. Ich kann aus einem Pool an Kursen wählen, der Fokus liegt dabei auf Kulturwissenschaften. Zum Beispiel gibt es Kurse wie „Food Culture in Japan“, „Women in Contemporary Japanese Society“, „Japanese Traditional Beauty“ und auch Sprachkurse, um Japanisch zu lernen. Alle Kurse finden auf Englisch statt und in den Seminaren sitzen sowohl heimische Studierende als auch Austauschstudierende.
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Was unterscheidet aus deiner Sicht das Studium an einer japanischen Hochschule von dem an einer deutschen Universität?
Mich erinnern die Seminare ein bisschen an Schulunterricht: Die Kurse sind meist klein, man sitzt an Einzelplätzen mit Pult und Stuhl und es gibt eine Anwesenheitspflicht. Wir schreiben regelmäßig Tests und bekommen Hausaufgaben. Das alles und auch die mündliche Beteiligung fließen in die Note ein. Dafür gibt es keine Hausarbeiten oder Prüfungen in der semesterfreien Zeit, was natürlich gut ist, wenn man reisen möchte. Außerdem gab es viele Veranstaltungen zum Kennenlernen in der O-Woche und hilfreiche Infos. Gerade das fand ich gut, weil ich kein Japanisch spreche. Ich habe mich dadurch sehr abgeholt gefühlt. An einer deutschen Hochschule geht es ja eher darum, sich vieles selbstständig zu organisieren.
Wie lebst du während deines Auslandsjahres in Japan?
Bei der Bewerbung für das Auslandsjahr hier konnte ich auswählen, ob ich im Wohnheim leben möchte, mir selbst eine Wohnung suchen will oder bei einer Gastfamilie unterkommen möchte. Letzteres nennt sich „home stay“. Die Uni unterstützt dabei, eine Familie zu vermitteln. Ich habe mich für das Wohnheim entschieden und habe ein Zimmer, das Bad und die Küche teile ich mir mit anderen. Das kostet mich umgerechnet etwa 325 Euro pro Monat. Dafür werden die Gemeinschaftsräume gereinigt, das Zimmer ist möbliert und das Wohnheim ist nah am Campus. Man bekommt so auch schnell sozialen Anschluss, denn es ist eigentlich immer etwas los.
Was ist bislang dein Eindruck vom Leben in Japan?
Mir ist aufgefallen, dass vieles sehr lösungsorientiert ist: Wenn etwas kaputtgeht, wird es schnell repariert. Auch für kleine Alltagsprobleme gibt es oft smarte Lösungen. Zum Beispiel schiebt man beim Betreten eines Geschäfts seinen nassen Regenschirm durch eine Vorrichtung, die ihm au-tomatisch eine Plastiktüte überzieht, damit er nicht auf den Boden tropft.
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr zuverlässig – auch wenn es manchmal etwas eng im Bus wird – und die Infrastruktur ist insgesamt gut. Vieles wirkt fortschrittlich und durchdacht. Negativ ist mir allerdings aufgefallen, dass Nachhaltigkeit oft keine große Rolle spielt: Lebensmittel sind häufig einzeln in Plastik verpackt, und auch die Tüte für den Regenschirm wird danach einfach weg-geworfen. Außerdem ist eine Fahrt mit dem Shinkansen, dem Schnellzug, oft teurer als ein Flug.
Meine größte Herausforderung hier war tatsächlich das Essen: Es ist zwar qualitativ hochwertig, aber als Vegetarierin habe ich meist nur wenig Auswahl. Auf unterschiedliche Essgewohnheiten und -präferenzen wird weniger Rücksicht genommen.
Was wirst du vermissen, wenn du wieder in Deutschland bist?
Definitiv die Convenience Stores. Die gibt es an jeder Ecke, ähnlich wie Kioske oder Spätis, aber mit einem viel größeren Sortiment. Es gibt dort frisches, hochwertiges Essen und viele sind rund um die Uhr geöffnet. Ich kann dort sogar meine Miete überweisen, da ich kein japanisches Bankkonto habe.
Welche Tipps würdest du Studierenden geben, die ebenfalls ein oder zwei Semester in Japan studieren möchten?
Lasst euch vom Organisationsaufwand nicht abschrecken. Es gibt mehrere Bewerbungsschritte: zuerst online an der Uni Bremen, dann – bei einer Zusage – eine weitere Bewerbung an der Partnerhochschule inklusive Motivationsschreiben. Durch ein Missverständnis habe ich zunächst sogar eine Absage bekommen, die sich später aber geklärt hat. Deshalb: nachfragen und sich nicht entmutigen lassen. Ich habe vorher keinen Sprachkurs gemacht, würde das aber empfehlen. Und macht euch realistische Gedanken zur Wohnform: Möchtet ihr lieber ein eigenes Apartment oder teilt ihr euch gerne Wohnraum und seid eher gesellig?
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