Uni-Funk aus Bremen und Oldenburg

Wie Studierende die Anfänge des Campusradios erlebt haben

Campusleben

Als das Kooperationsprojekt „CampusRadio” der Universitäten Bremen und Oldenburg gemeinsam mit Radio Bremen im April 1994 ins Leben gerufen wurde, war es eine einzigartige Einrichtung in der Rundfunk- und Hochschullandschaft. Es bot Studierenden einen professionellen Rahmen, um erste journalistische Erfahrungen zu sammeln und sich auszuprobieren. Über sieben Jahre lang berichtete das erste Campusradio über Forschung und Lehre, Kultur, Politik, das Studierendenleben und alles, was sich auf den Campus der Universitäten tat – immer unparteiisch und unabhängig. up2date. hat mit Ehemaligen darüber gesprochen, wie das Projekt begann und welche Spuren es bei ihnen hinterlassen hat.

Als das Campusradio im April 1994 im Rahmen eines studentischen Kurses an den Start ging, waren Sofie Buchwald und Andreas Dirks-Wawrzinek von Anfang an dabei. Sofie Buchwald erinnert sich noch lebhaft an die ersten Live-Sendungen auf Bremen 2: „Man musste das Radio pünktlich um 19:10 Uhr einschalten, denn später anhören konnte man die Sendungen ja damals noch nicht.“ Während ihres Studiums an der Universität Bremen wollte sie „irgendetwas mit Medien“ machen und der Kurs bot dafür die perfekte Gelegenheit. Andreas Dirks-Wawrzinek schätzte besonders die angenehme Atmosphäre in der Zusammenarbeit mit den Pressesprechern der beiden Universitäten, Gerhard Harms und Eberhard Scholz. Sie begleiteten das Projekt eng, brachten Forschungsthemen und Campus-News ein und standen den Studierenden mit Rat und Tat zur Seite. Über sie bekam er Kontakte zu Wissenschaftler:innen und produzierte neben naturwissenschaftlichen Beiträgen unter anderem auch einen Satire-Sketch, der „echt gut ankam“.

Sofie Buchwald erinnert sich, dass sie Beiträge über Sehnsucht, studentische Nebenjobs, Kunstausstellungen auf dem Campus und das damals neue Internet produzierte. „Wir waren sehr frei darin, eigene Themen einzubringen und einfach drauf los zu machen“, erinnert sie sich. „Durch diesen ‚Werkstattcharakter‘ wurde man manchmal ins kalte Wasser geworfen, aber es wurde uns auch zugetraut, etwas zu produzieren, das im öffentlichen Radio läuft – das war schon etwas Besonderes.“ Andreas Dirks-Wawrzinek gefiel insbesondere die Semiprofessionalität. „Wir konnten in unserem meist eher theoretischen Studium mit Expert:innen aus der Praxis zusammenarbeiten. Wir hatten also einen professionellen Rahmen, aber auch die Möglichkeit, uns viel auszuprobieren.“ Die Redaktionssitzungen fanden überall statt, häufig in den Pressestellen, aber auch manchmal ganz informell in den WG-Küchen der Studierenden oder im Wohnzimmer einer der Pressesprecher.  Harro Zimmermann von Radio Bremen stellte Aufnahmekabinen bereit, organisierte das Equipment und moderierte zunächst die Sendung. Außerdem übernahm er die Endredaktion.

Porträtfoto von Andreas Dirks-Wawrzinek
Andreas Dirks-Wawrzinek leitet heute das Fachjournalisten-Netzwerk redaktion24.info.
© Andreas Dirks-Wawrzinek

Die „Journalistenschule“ unterstützt das „CampusRadio“

Motiviert durch seine Erfahrungen beim Campusradio bewarb sich Andreas Dirks-Wawrzinek direkt nach seinem Studienabschluss um die Teilnahme an der im Jahr 1995 neu gegründeten, einjährigen Fortbildung, der „Journalistenschule” der Universität Oldenburg. Sie wurde von dem Regisseur und Drehbuchautor Roland Steiner geleitet und richtete sich an Hochschulabsolvent:innen, die in der Medienwelt Fuß fassen wollten. Sie ergänzte ab sofort die Arbeit des studentischen Campusradios. Auch Birgit Tillmann Köhler war 1998 Teilnehmerin der Fortbildung an der Universität Oldenburg, die ihr vom Arbeitsamt empfohlen worden war. Dort lernten sie von Expert:innen aus den Bereichen Print, Film und Radio theoretische und praktische Grundlagen wie das Recherchieren, Sprechen, Schreiben und Gestalten. Bald moderierten und produzierten sie viele der Campusradio-Beiträge. Ein besonders einprägsamer Beitrag war ihr Interview mit einem Tangotänzer, der auch als Dozent an der Uni Bremen tätig war. Er war aus Chile geflohen und machte den Militärputsch von 1973 für sie lebendig. „Ich fand es immer toll, dass man durch die Beiträge für das Campusradio sehr viel lernen und Einblicke in ganz unterschiedliche Themenbereiche beider Universitäten erhalten konnte“, erinnert sie sich. Auch Andreas Dirks-Wawrzinek lobt die Kooperation: „Es war toll, die Hochschullandschaft aus zwei Perspektiven zu sehen. Das empfand ich als sehr produktiv.“

Porträtfoto von Birgit Tillmann Köhler
Birgit Tillmann Köhler arbeitet heute als Journalistin, Historikerin und Autorin.
© Rieke Oehlerking

Kompetenzen und Kontakte für die Zukunft

Rückblickend war die Mitarbeit beim Campusradio für alle drei sehr wertvoll. Birgit Tillmann Köhler fand unmittelbar nach der Weiterbildung ein Volontariat und legte damit den Grundstein für ihre Karriere als Journalistin – nicht zuletzt dank ihrer Erfahrungen und Kontakte aus der Zeit beim Campusradio. Auch für Andreas Dirks-Wawrzinek war die Zeit ein Sprungbrett für den Einstieg ins Berufsleben, er fand direkt im Anschluss an die Fortbildung eine Anstellung. Sofie Buchwald erwarb durch das Campusradio Kompetenzen, von denen sie auch heute noch in ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Texterin profitiert. „Dadurch, dass wir mit dem Mikrofon viele O-Töne auf dem Campus gesammelt haben, haben wir gelernt, Berührungsängste zu überwinden und auf Menschen zuzugehen. Auch dass wir uns selbst organisieren mussten, hat mir persönlich viel gebracht“, berichtet sie. Doch nicht nur von den erlernten Kompetenzen profitieren die drei bis heute, sondern auch von den Freundschaften, die während der Zeit beim Campusradio entstanden sind und zum Teil bis heute bestehen.

Das Ende ist ein neuer Anfang

Nach der Abschaltung von Radio Bremen 2 im Jahr 2001 endete das gemeinsame Campusradio-Projekt nach sieben Jahren, doch die Idee lebte weiter. An der Universität Bremen entstand zunächst ein zweites Campusradio als Teil eines Projektmoduls im Fachbereich Kulturwissenschaften. Dieses fand erneut in Kooperation mit Radio Bremen statt und hatte eine stärkere studentische Prägung. Später ging das zweite Campusradio in dem crossmedialen Online-Magazin „krosse.fm“ des Instituts für Medienwissenschaft auf, das noch bis 2021 auf Sendung ging. An der Universität Oldenburg entstand ein eigenes Campusradio, das bis heute jeden ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr auf Oldenburg Eins zu hören ist.

Das Campusradio ist ein Beispiel dafür, wie interuniversitäre Zusammenarbeit, kreative Freiheit und praxisnahe Ausbildung Studierenden nicht nur Medienkompetenz vermitteln, sondern ihnen auch ein Netzwerk und berufliche Perspektiven eröffnen – und dabei jede Menge gute Geschichten produzieren.

Mehr Informationen:

Zum Artikel “Damals: Campus Radios”

Campusradio Oldenburg // Universität Oldenburg

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