© Matej Meza / Universität Bremen
„Verlässliche Wege, echte Zugehörigkeit“
Dr. Mandy Boehnke über Karrierewege an der Universität Bremen – und warum es sich lohnt, Karrierewege nachhaltig zu gestalten
Die Uni Bremen gilt bundesweit als Vorreiterin für verlässliche Karrierewege, seitdem bereits 2018 selbstständige Tenure-Positionen im akademischen Mittelbau geschaffen worden sind. Im neuen Werkstattbericht „Die Weiterentwicklung akademischer Karrierewege an Universitäten in Deutschland“ des Tenure-Track-Netzwerks gibt sie Einblicke in das Bremer Modell. Dr. Mandy Boehnke, Konrektorin für Internationalität, wissenschaftliche Qualifizierung und Diversität, erklärt im Interview, worauf es dabei ankommt – und warum Menschen fördern und Zugehörigkeit stärken zusammengehören.
Frau Boehnke, in einem aktuellen Werkstattbericht teilen Sie Ihre Erfahrungen mit neuen wissenschaftlichen Karrierewegen an der Universität Bremen. Warum war Ihnen dieses Thema von Anfang an so wichtig?
Weil es uns um die Menschen geht, die hier lehren, forschen und ihre wissenschaftliche Laufbahn starten. Gerade nach der Promotion stehen viele vor der Frage: Wie geht es weiter? Wir wollen ihnen verlässliche Perspektiven bieten – und das auf Augenhöhe. Das heißt: transparente Strukturen, faire Evaluationen und die Möglichkeit, Teil unserer wissenschaftlichen Gemeinschaft zu werden.
Wie sehen diese Karrierewege konkret aus?
Die Universität Bremen hat 2018 die Kategorien Researcher und Lecturer eingeführt sowie deren Weiterentwicklungen Senior Researcher und Senior Lecturer. Diese Positionen eröffnen echten Gestaltungsspielraum in Forschung oder Lehre. Sie sind so angelegt, dass eine dauerhafte Perspektive möglich ist, sofern die Zwischenevaluation, meist nach vier Jahren, erfolgreich verläuft. Diese Positionen ermöglichen zudem eine viel frühere Entscheidung als derzeit üblich hinsichtlich der Perspektiven im wissenschaftlichen Bereich. Wichtig ist: Wer auf diesen Stellen arbeitet, bekommt eine klare Entwicklungsperspektive geboten.
Gab es Hürden?
Natürlich. Neue Karrierewege bedeuten immer auch Veränderung. Das betrifft Strukturen, Rollenbilder und nicht zuletzt das Selbstverständnis vieler Akteur:innen. Dazu kommt, dass gesetzliche Grundlagen angepasst werden mussten, damit die neuen Stellen auch im Bremer Hochschulgesetz verankert sind. Aber gerade weil es ein gemeinsames Verständnis gab, ist etwas Tragfähiges entstanden.
Wie ist der aktuelle Stand?
Rund 20 Stellen wurden bislang besetzt, einige davon haben die Evaluation bereits erfolgreich durchlaufen. Besonders erfreulich: Etwas über die Hälfte dieser Positionen sind mit Frauen besetzt. Das zeigt, dass gut gestaltete Strukturen nicht nur individuelle Entwicklung ermöglichen, sondern auch Chancengerechtigkeit stärken. Auch das ist ein Beitrag zu mehr Zugehörigkeit.
Was möchten Sie jungen Wissenschaftler:innen mitgeben, die sich für die Universität Bremen interessieren?
Wir bieten nicht nur Karrierewege, wir bieten einen Ort, an dem man wachsen kann. Wissenschaft braucht Menschen, die sich einbringen. Außerdem braucht sie Strukturen, die das möglich machen. Wer zu uns kommt, trifft hoffentlich auf ein Umfeld, das Entwicklung fördert, Teilhabe ermöglicht und Zugehörigkeit ernst nimmt. Das ist unser Verständnis von Verantwortung. Dazu gehört auch, unsere Strukturen, Kommunikationsweisen und Routinen zu hinterfragen und so zu verändern, dass alle Hochschulangehörigen sich sicher, anerkannt und wirksam fühlen.
Weitere Informationen
Veröffentlicht wurde der Bericht „Die Weiterentwicklung akademischer Karrierewege an Universitäten in Deutschland – ein interviewbasierter Werkstattbericht“ im Rahmen des Tenure-Track-Netzwerks von UniWinD (Universitätsverband zur Qualifizierung von Wissenschaftler:innen und frühen Karrierephasen in Deutschland). Dieses bundesweite Netzwerk bringt Universitäten und weitere Akteur:innen zusammen, um Tenure-Track-Strukturen in Deutschland aufzubauen und weiterzuentwickeln – unter anderem durch Publikationen, Veranstaltungen und Serviceangebote.