© Universität Bremen/Leona Hofmann
Vernetzung, Transfer und neue Forschungsimpulse
Zehn Jahre U Bremen Research Alliance
Seit 2016 verbindet die U Bremen Research Alliance (UBRA) die Universität Bremen mit inzwischen 13 außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Durch Vernetzung, gemeinsame Weiterbildungen und Projekte stärkt sie Bremen als international sichtbaren, kooperativen Forschungsstandort im Nordwesten. Zum zehnjährigen Jubiläum sprach up2date. mit Geschäftsführer Derk Schönfeld über die Entwicklung und die Zukunft des Forschungsverbunds.
Herr Schönfeld, Bremen gilt als einer der stärksten Wissenschaftsstandorte Deutschlands. Was macht diesen Standort besonders und welche Rolle spielt die U Bremen Research Alliance dabei?
Bremen zeichnet sich durch eine vergleichsweise hohe Dichte an universitärer und außeruniversitärer Forschung aus – mit 13 Bund-Länder-finanzierten außeruniversitären Instituten, dazu weitere landesfinanzierten Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Besonders ist die starke Vernetzung zwischen diesen Einrichtungen, die sich in einem gemeinsamen Forschungsraum mit klaren Schwerpunkten wie Meeres-, Polar- und Klimaforschung, Materialwissenschaften, Gesundheitswissenschaften und „Minds Media Machines“ manifestiert.
Diese Vernetzung ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer bewusst gestalteten Zusammenarbeit mit kurzen Wegen, schnellen Abstimmungsprozessen und einer hohen Anschlussfähigkeit zwischen den Einrichtungen. Die U Bremen Research Alliance spielt hier eine zentrale Rolle: Sie ist der kooperative Verbund aus Universität und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, der gemeinsam beste Rahmenbedingungen für kreatives, freies und kooperatives Arbeiten bieten will. Sie fungiert als Koordinations- und Vernetzungsplattform, die gemeinsame Projekte voranbringt und die Sichtbarkeit Bremens als Wissenschaftsstandort fördert. So wird aus räumlicher Nähe tatsächliche Zusammenarbeit.
Vor zehn Jahren wurde die U Bremen Research Alliance gegründet. Welche Idee stand damals hinter der Allianz und welches Ziel sollte sie erreichen?
Die Idee folgte aus dem erfolgreichen Antrag der Universität Bremen im Rahmen der Exzellenzinitiative 2012. Die Universität positionierte sich mit einem ambitionierten Konzept: „Wir sind mehr als eine mittelgroße Universität – wir sind ein Forschungsraum“. Dieser Gedanke wurde durch Maßnahmen wie kooperative Nachwuchsgruppen und Brückenformate untermauert. Als die Universität mit diesem Konzept erfolgreich war, wurde die Zusammenarbeit mit außeruniversitären Einrichtungen strukturiert ausgebaut.
2016 folgte gemeinsam mit den Einrichtungen den nächsten logischer Schritt: Die formale Gründung als universitätsgeführter Kooperationsverbund. Das zentrale Ziel war, die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre gemeinsam zu verbessern, um Forschung einfacher, besser, schneller und freier zu gestalten.
Was hat sich für Forschende in Bremen durch die Allianz konkret verändert?
Die Allianz hat vor allem in drei Bereichen spürbare Veränderungen gebracht: in der institutionenübergreifenden Zusammenarbeit, bei gemeinsamen Karriere- und Qualifizierungsangeboten sowie in den Rahmenbedingungen für neu nach Bremen kommende Forschende.
Ein gutes Beispiel ist das Programm Data Train, das von der U Bremen Research Alliance koordiniert und von Mitgliedern der Einrichtungen getragen wird, strukturierte Qualifizierungsangebote in Forschungsdatenmanagement und Data Science bündelt und Promovierenden sowie Wissenschaftler:innen aus allen Einrichtungen kostenfrei offensteht. Ein weiteres Beispiel ist das Leitprojekt Künstliche Intelligenz mit Fokus auf Gesundheitsforschung, das als Zukunftsthema für den Standort Bremen gemeinsam vorangetrieben wird. Die U Bremen Research Alliance koordiniert hier nicht nur den Austausch, sondern initiiert und unterstützt auch gemeinsame Forschungsprojekte und Vorhaben.
Darüber hinaus haben wir eine gemeinsame Jobplattform geschaffen, das alle wissenschaftlichen Stellen in Bremen zusammenführt. Forschende bewegen sich damit nicht mehr nur innerhalb einer Einrichtung, sondern in einem gemeinsamen Arbeits- und Karriereraum mit deutlich erweiterten Perspektiven. Dadurch organisieren wir genau die Angebote, die gebraucht werden, und von denen jedes Mitglied profitiert, unabhängig von der Größe und finanziellen Möglichkeiten. Mit Workshops wie „How to write competitive proposals for Horizon Europe“ unterstützen wir gemeinsam mit der EU-beratung der Universität Bremen außerdem Forschende dabei, erfolgreich Fördermittel einzuwerben.
Sehr konkrete Verbesserungen für Forschende schafft das U Bremen Research Alliance Welcome Center an der Universität Bremen. Hier bieten wir ein gemeinsames Angebot für neu zugezogene Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland. Es umfasst Beratungsangebote sowie soziale Aktivitäten wie das „Café International“ oder Sommerfeste. Menschen, die nicht aus dem Europäischen Wirtschaftsraum herziehen, werden darüber hinaus bei der Beantragung von Visa und Aufenthaltstiteln unterstützt. Dazu gehört auch der Welcome Guide: Ein interaktives Online-Tool, das auf Basis von Entscheidungsbäumen personalisierte Informationen zu Umzug, Arbeit, Familie und Integration in Bremen liefert – gemeinsam von allen Mitgliedseinrichtungen entwickelt. Das erleichtert es, sich für Bremen zu entscheiden und mitsamt Familie gut anzukommen.
Allen Aktivitäten ist eines gemein: Wir organisieren und initiieren Angebote, von denen jede Mitgliedseinrichtung und ihre Mitarbeitenden profitieren. So entstehen Projekte, die eine Einrichtung alleine im Zweifel nicht auf die Beine stellen kann. Gemeinsam geht einfach mehr.
© Jens Lehmkühler / U Bremen Research Alliance
© Matej Meza / U Bremen Research Alliance
© Jens Lehmkühler / U Bremen Research Alliance
© U Bremen Research Allliance
© U Bremen Research Alliance
In der Allianz arbeiten sehr unterschiedliche Disziplinen zusammen: Von der Meeres- und Klimaforschung bis zur Künstlichen Intelligenz. Wie entstehen aus dieser Vielfalt neue Ideen und Forschungsansätze?
Neue Ideen entstehen vor allem durch Vernetzung, gemeinsame Plattformen und manchmal auch durch Zufall: In unseren Veranstaltungen und Arbeitsgruppen treffen Menschen aus verschiedenen Disziplinen und Institutionen aufeinander – und entdecken überraschende Synergien. Gerade an diesen Schnittstellen entstehen Projekte, die einzelne Einrichtungen allein weder in dieser Breite noch in dieser Geschwindigkeit entwickeln könnten. In Bereichen wie KI oder Forschungsdatenmanagement gibt es gemeinsame Arbeitsgruppen, in denen Expert:innen aus verschiedenen Einrichtungen sich austauschen, beraten und gemeinsam Lösungen entwickeln. Unsere Research Alliance Conferences bringen Menschen aus verschiedenen Einrichtungen zusammen, um neue Forschungsideen zu entwickeln.
„Gemeinsam geht einfach mehr“ Derk Schönfeld
Wenn Sie auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicken: Welche Entwicklungen oder Momente waren für die Allianz besonders prägend?
Dazu gehört sicherlich der Sprung von einem Kooperationsverbund (2016) zu einer formalen Vereinsstruktur in 2021. Dieser Schritt brachte neue Governanceprozesse, eine eigene Rechtsform als gemeinnütziger Verein und einen eigenen Haushalt, was die Allianz nachhaltig stärkte.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein war der Aufbau gemeinsamer Programme wie Data Train, mit dem wir frühzeitig Kompetenzen im Forschungsdatenmanagement gebündelt und zugleich Impulse in nationale Entwicklungen wie die NFDI eingebracht haben. Damit ist ein strukturbildendes Angebot entstanden, das weit über einzelne Einrichtungen hinaus wirkt. In der NFDI sind Mitgliedseinrichtungen der UBRA besonders stark aktiv – sie sind an 13 von insgesamt 26 Konsortien beteiligt; viermal davon als Sprecher oder Co-Sprecher. In der Folge war es in Bremen dann auch möglich, mit DataNord – bundes- und EU-gefördert - das einzig norddeutsche Datenkompetenzzentrum aufzubauen. Man sieht also: Das baut aufeinander auf.
Ein großer Erfolg war zudem die erfolgreiche Bewerbung um die International Joint Conference on Artificial Intelligence – IJCAI-Konferenz 2026. Sie findet nur alle vier Jahre in Europa statt und kommt zum ersten Mal nach über vier Jahrzehnten zurück nach Deutschland. Ein klares Zeichen dafür, dass Bremen international als koordinierter und leistungsfähiger Forschungsstandort wahrgenommen wird – nicht nur durch einzelne Einrichtungen, sondern vor allem als vernetze Allianz.
Welchen Herausforderungen musste sich die Allianz stellen? Wie hat sie diese überwunden?
Es war anfangs herausfordernd, die Allianz als „Dach“ zu positionieren, weil nicht immer klar war, welchen Mehrwert sie neben den bestehenden Strukturen in den Einrichtungen bietet. Gerade in Bereichen wie der Wissenschaftskommunikation stellte sich die Frage, warum es neben den Kommunikationsabteilungen der einzelnen Einrichtungen noch eine gemeinsame Ebene braucht. Mit Geduld, Transparenz und dem Fokus auf unsere gemeinsamen Werte und Erfolge konnten wir diese Herausforderung jedoch überwinden.
Heute zeigt sich, dass die U Bremen Research Alliance hier eine Lücke schließt: Sie macht gezielt gemeinsame Projekte und Kooperationen sichtbar, beispielsweise durch das Wissenschaftsmagazin Impact, und stärkt damit die Wahrnehmung des Standorts als vernetzter Forschungsraum. Was auch wichtig ist: Nicht alle Mitglieder müssen bei jeder Idee mitmachen. Entscheidend ist, dass diejenigen, die mitmachen, den Nutzen spüren.
Welche Rolle spielt die Allianz dabei, Bremen international als Wissenschaftsstandort sichtbar zu machen?
Die UBRA macht den Forschungsraum Bremen als Ganzes sichtbar. Hierfür stimmen wir uns als Allianz auch mit der Wirtschaftsförderung sowie der Politik ab, um gebündelt die Bedarfe der Wissenschaft zu platzieren.
Wir sind zum Beispiel gemeinsam auf internationalen Messen wie der GAIN-Jahrestagung (German Academic International Network) in den USA, einer zentralen Tagung zur Vernetzung und gezielten Ansprache international mobiler Nachwuchswissenschaftler:innen vertreten. Das Ziel: Die besten Köpfe für unsere wissenschaftlichen Einrichtungen zu gewinnen.
Wenn wir dieses Gespräch in zehn Jahren noch einmal führen würden: Woran würden wir erkennen, dass sich die U Bremen Research Alliance erfolgreich weiterentwickelt hat?
Nicht die UBRA alleine, aber der Forschungsraum wird sich gewandelt haben, es werden noch mehr Einrichtungen im Nordwesten strukturiert kooperieren. Unsere Entwicklung wird parallel mit der Entwicklung der Northwest Alliance – also dem Verbund der Universität Bremen und der Universität Oldenburg – gedacht. Hier laufen aktuell die strategischen Abstimmungen.
Die Kultur der Zusammenarbeit wird noch tiefer verwurzelt sein. Strategische Zukunftsthemen wie Forschungsdatenmanagement und Data Science sowie KI werden dann in der Region so gut etabliert sein, dass sie dauerhaft wirksam den Standort prägen. Der Nordwesten wird national und international deutlich an Sichtbarkeit gewinnen und für internationale Forschende noch attraktiver sein. Und es werden neue Schwerpunkte hinzukommen, die wir vorher gemeinsam erkennen und im Verbund entwickeln.
Unser gemeinsames Ziel ist es, Bremen und den Nordwesten als sichtbaren Modellstandort für kooperative Forschung weiter zu etablieren.