Was brachte die Exzellenzinitiative der Uni Bremen?

In der aktuellen Runde des Exzellenzwettbewerbs bewirbt sich die Universität Bremen gemeinsam mit der Universität Oldenburg im Verbund. Ein Rückblick auf die Ergebnisse des Zukunftskonzepts 2012 bis 2017.

Forschung

Am 15. Juni 2012 erhielt die Universität Bremen den Zuschlag in allen drei Förderlinien der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Damit wurde sie als eine von elf Universitäten als „Exzellenzuniversität“ ausgezeichnet und über fünf Jahre mit rund 45 Millionen Euro gefördert. 2025 reichte die Universität Bremen erneut eine Bewerbung ein: In der nun Exzellenzstrategie genannten Förderlinie von Bund und Ländern bewirbt sie sich gemeinsam mit der Universität Oldenburg als Northwest Alliance mit dem Antrag „Connecting for Tomorrow“ erneut um den Titel. Zeit, zurückzublicken und zu fragen: Was hat die Umsetzung des letzten Zukunftskonzepts an der Universität verändert? up2date. sprach darüber mit Julia Sievers, Dezernentin für Akademische Angelegenheiten.

Frau Sievers, im Zukunftskonzept „Ambitioniert und agil“, das die Grundlage der Bewerbung als Exzellenzuniversität bildete, sollten vor allem die Wissenschaftsschwerpunkte und ihre Vernetzung mit außeruniversitären Partnern gestärkt, neue Forschungsideen und kreative Gruppen unterstützt und attraktive Karrierechancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs angeboten werden. Was ist heute davon sichtbar?

Das Zukunftskonzept, bekannt unter dem Titel „Ambitioniert und agil“, hat viele Prozesse innerhalb der Universität angestoßen und verstärkt. Eine Maßnahme war beispielsweise die Strukturierung und Institutionalisierung von Forschungsbereichen, die zunächst als Idee oder loser Zusammenschluss gestartet waren. Um zwei Beispiele zu nennen: So entstand das MAPEX Center for Materials and Processes, aus dem auch der aktuelle Exzellenzcluster „The Martian Mindset“ hervorgegangen ist. Auch das Zentrum für Sozialpolitik entwickelte sich durch diesen Prozess weiter, zum SOCIUM – Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik. Hier sind inzwischen viele große Forschungsverbünde, wie der Sonderforschungsbereich 1342 “Globale Entwicklungsdynamiken von Sozialpolitik”, entstanden. Insgesamt konnten durch das Zukunftskonzept neue Strukturen entwickelt werden, die unsere Forschungsschwerpunkte deutlich gestärkt haben.

Ein Portraitfoto von Julia Sievers.
Dr. Julia Sievers leitet das Dezernat für Akademische Angelegenheiten an der Universität Bremen.
© Claudia Messerknecht

Das wirkte sich auch auf das Ziel aus, die wissenschaftliche Qualifizierung stärker zu fördern. Die Betreuung der Wissenschaftler:innen ist heute fest im Grundhaushalt verankert: Aus der damals noch „Pro:UB“ genannten Promotionsförderung entwickelte sich „BYRD - Bremen Early Career Researcher Development“, unsere zentrale Stelle für die Unterstützung von Wissenschaftler:innen aller Karrierestufen, von Promotionsinteressierten bis zu erfahrenen Forscher:innen.

Hat sich die Förderung der Wissenschaftler:innen darüber hinaus verändert?

Auf jeden Fall. Bereits im Vorlauf auf das Zukunftskonzept wurde die Zentrale Forschungsförderung (ZF) umgebaut und dann mit den neuen Exzellenzmitteln verstärkt. Seither ist es möglich, sich für Stellen für Postdocs und Explorationsprojekte zu bewerben. Neben den strukturellen Änderungen gab es weitere Projekte, wie die Creative Units, die das Ziel hatten, Neues auszuprobieren, ungewöhnlichen Forschungsfragen nachzugehen und über die Grenzen ihrer Disziplin hinaus zu gehen. Zudem gab es eigene Programme, um tolle Professor:innen zu gewinnen, von denen wir viele auch langfristig halten konnten. Es ist uns außerdem gelungen, durch das „Female Professorship“-Programm den Frauenanteil in den Naturwissenschaften langfristig zu erhöhen. Diese Art von Programm war damals ein Novum; heute gibt es solche Programme auf Bundesebene.

Zum Thema ungewöhnliche Forschungsfragen: Ist Ihnen dabei ein Projekt besonders in Erinnerung geblieben?

Aus einer der „wilden“ Ideen der Creative Units ist letztendlich das Netzwerk Worlds of Contradiction (WoC) entstanden. Dies zeigt ganz deutlich, wie gut der interdisziplinäre und kreative Ansatz funktionieren kann. Mit „WoC“ ist eine interdisziplinäre und kollaborative Forschungsplattform entstanden, die fünf Fachbereiche verbindet: Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften, Sprach- und Literaturwissenschaften sowie Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Mittlerweile haben sie mit „Contradiction Studies“ zudem ein sehr gut bewertetes DFG gefördertes Promotionsprogramm. Und Julia Borst, damals von der ZF als Postdoktorandin gefördert, hat einen ERC Starting Grant bei der EU eingeworben und führt nun ein eigenes WoC-Lab.

Das internationales Gastprofessuren-Programm „Excellence Chairs“ hat dazu beigetragen, dass Worlds of Contradiction inzwischen auch international bekannt ist. Gleich drei Maßnahmen aus dem Zukunftskonzept haben zu diesem Erfolg beigetragen: Die Einrichtung einer „Creative Unit“, die eigenen Stellen für Postdocs sowie die Förderung von Professuren im Rahmen der Förderlinie „Development Fund“.

Hatte das Zukunftskonzept auch Auswirkungen außerhalb der Universität?

In Bremen gibt es eine große Anzahl an Forschungseinrichtungen, viele in direkter Nähe der Universität, mit denen wir seit vielen Jahre erfolgreich kooperieren. Während der Laufzeit des Zukunftskonzepts konnte diese Standortstärke in Form der U Bremen Research Alliance, kurz UBRA, institutionalisiert und weiter vertieft werden. Dafür wurden Brückenprofessuren und kooperative Nachwuchsgruppen eingerichtet, die die Kooperation strukturell verstärken. Heute verbindet UBRA die Universität mit zwölf außeruniversitären Forschungseinrichtungen aus den vier großen deutschen Wissenschaftsorganisationen sowie dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Entstanden ist damit ein gemeinschaftlicher Raum für Innovation, Infrastruktur und Forschung. Kernthemen sind unter anderem eine gemeinsame Forschungsdateninfrastruktur, Gründungsunterstützung, eine gemeinsame Personalentwicklung und das Welcome Center, mit dem internationale Wissenschaftler:innen von Anfang an in Bremen unterstützt werden.

2025 hat sich die Universität Bremen erneut um den Titel „Exzellenz“ beworben, dieses Mal im Verbund mit der Universität Oldenburg. Welche Erkenntnisse aus der letzten Förderphase nimmt die Uni Bremen mit?

In dieser Runde der Exzellenzförderung treten wir gemeinsam mit Oldenburg als Verbund an. Das Zukunftskonzept mit dem Titel „Northwest Alliance – Connecting for Tomorrow” zielt darauf ab, den Standort Nordwesten weiter zu entwickeln: In der Wissenschaft, durch die Förderung von wissenschaftlichen Talenten, aber auch in der Lehre, im Bereich Transfer und in der Forschungsinfrastruktur. Kern ist die Kooperation und die Verbindung von Menschen – zwischen den Fachdisziplinen, zwischen den Universitäten and auch über die Landesgrenzen hinweg, mit den außeruniversitären Forschungsinstituten und mit der Gesellschaft. Durch den Grundstein, den wir mit unserem ersten Zukunftskonzept gelegt haben, und durch die lange bestehende Zusammenarbeit mit Oldenburg sehen wir uns gut aufgestellt.

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