© Leona Hofmann / Universität Bremen
Zwischen Hörsaal und Hockeyfeld
Wie Lehramtsstudentin Maya Hartmann Studium und Spitzensport vereint
Maya Hartmann ist 18 Jahre alt, studiert Biologie und Sportwissenschaft auf Lehramt an der Universität Bremen und ist Mitglied im deutschen Einrad-Hockey-Kader. Im Interview mit up2date. gibt sie einen Einblick in ihre außergewöhnliche Sportart und erzählt, wie sie Studium, Training und Vorbereitungen für die bevorstehende Einrad-Weltmeisterschaft „UNICON 22” unter einen Hut bekommt.
Einrad-Hockey ist nicht unbedingt eine Sportart, die man aus dem Schulsportunterricht kennt. Wie bist du darauf aufmerksam geworden?
Zum 7. Geburtstag habe ich ein Einrad geschenkt bekommen, aber zuerst nur unregelmäßig geübt. Über eine Klassenkameradin bin ich dann bei uns im Verein gelandet, wo ich einige Jahre Einradfahren gelernt, Tricks geübt und Spiele gespielt habe. Doch das wurde mir irgendwann zu langweilig. Vor etwa fünf Jahren habe ich dann Einrad-Hockey entdeckt und war sofort begeistert.
Was genau ist Einrad-Hockey?
Im Kern ist es wie Eishockey, nur ohne Eis und auf Einrädern. Wir spielen mit fünf Spieler:innen auf dem Feld, inklusive Torwart. Wir spielen auf Eishockeytore mit einem Tennisball und Eishockeyschlägern. Es ist ein sehr schneller Sport, bei dem man auch schnell auf 20 km/h kommt. Dabei ist das Spiel körperarm – wir „rammen” uns also nicht in die Wände, sondern berühren uns kaum. Der Sport ist somit trotz seiner Dynamik sehr sicher. Ich trage neben Knieschonern auch Handschuhe, damit mir der Schläger nicht so schnell aus der Hand rutscht.
© Leona Hofmann / Universität Bremen
Was macht den Sport für dich besonders?
Das Miteinander. In Deutschland gibt es etwa 700 aktive Spieler:innen. Was auch noch ganz wichtig ist, ist dass der Sport geschlechts- und altersgemischt gespielt wird. Das aufzuteilen würde bei der kleinen Anzahl der Spieler:innen keinen Sinn ergeben. Man kennt also fast alle und freut sich bei jedem Turnier, alte Bekannte wiederzusehen. Die Szene ist klein, aber sehr herzlich.
Wo kann man in Bremen und umzu Einrad‑Hockey spielen?
Also, in Bremen gibt es zum Beispiel Bremen 1860, den Verein Thedinghausen und die Sportvereinigung Hemelingen von 1858 e.V.. Ich trainiere selbst beim TV Lilienthal, aber Bremen und die Umgebung ist schon fast eine kleine Hochburg des Sports. Das ist nicht ganz zufällig, denn drei der genannten Abteilungen hat mein Trainer gegründet bzw. aufgebaut – er hat die Szene in und um Bremen maßgeblich mitgeprägt. Die Einradabteilung bei uns im Verein zählt inzwischen rund 150 Mitglieder, die Einradhockey-Spieler*innen davon sind etwa 10 % der gesamten Liga.
Studium, Training und Vorbereitungen auf die WM – wie schaffst du das?
Ich würde sagen, das ist insgesamt gut machbar. Glücklicherweise ist mein Studium recht flexibel und es ist eine große Hilfe, dass ich die Hallen des Hochschulsports für das Training nutzen darf, das ich zwischen den Vorlesungen einplane. Ich habe Vorlesungen am Vormittag, trainiere in den Hallen und gehe anschließend wieder zu Vorlesungen. Abends habe ich dann mein Training im Verein. Die Vor- und Nachbereitung der Uni mache ich unter anderem auf den Zugfahrten zum KaderTraining oder Turnieren. Zeitlich muss man sich da gut organisieren. Zusätzlich zu meinem eigenen Training trainiere ich auch Nachwuchs-Teams und fahre mit ihnen zu Turnieren. Zudem leite ich noch zwei Anfängerkurse fürs Einradfahren und Einrad-Hockey, in denen ich Kinder unterrichte.
Wie sieht eine typische Woche derzeit für dich aus?
Im Durchschnitt trainiere ich drei Mal pro Woche hier an der Uni, vier Mal pro Woche im Verein und zwei Mal pro Woche mit dem Nachwuchs. Zudem habe ich jeden Tag Vorlesungen, das ist auch nicht wenig, und ich bin teilweise von morgens bis nachmittags an der Uni. Ich bin also ständig im Wechsel zwischen Training und Studium. Wenn ich mal keine Termine habe, bereite ich Vorlesungen vor oder nach oder mache andere Sachen, gern auch andere Sportarten. An den Wochenenden fahre ich dann oft zu Turnieren. Alle sechs Wochen habe ich Kadertraining, für das ich quer durch Deutschland fahren muss. Ich bin also fast jedes Wochenende unterwegs, sofern ich keine Blockseminare von der Uni habe.
© Leona Hofmann / Universität Bremen
Hast du dann überhaupt noch Zeit für Familie und Freund:innen?
Meine Lieblingszeit ist, wenn meine ganze Familie zu Hause ist und wir gemeinsam essen. Dafür nehmen wir uns immer Zeit. Ich spiele zum Beispiel mit meiner Schwester zusammen im Team, wir fahren zusammen zum Training, trainieren zusammen und können uns darüber austauschen. Viele meiner besten Freund:innen habe ich durch den Sport kennengelernt. Die treffe ich dann zum Training oder auch danach privat.
Du nimmst in diesem Jahr an der Einrad-Weltmeisterschaft „UNICON 22” teil, die vom 24. Juli bis 7. August 2026 in Steyr, Österreich stattfindet. Wie bereitest du dich darauf vor?
„Bei der „UNICON 22” im Sommer geht es nicht nur um Einrad-Hockey, sondern es ist die Einrad-Weltmeisterschaft, es gibt also auch Wettkämpfe in anderen Disziplinen des Einradsports. Ich werde auch noch andere Wettkämpfe mitfahren, wie das „Zehn-Kilometer-(Straßen) -Rennen“, „Downhill“ und „Cross-Country“. Für diese Disziplinen trainiere ich natürlich auch, um für die Rennen fit zu sein. Dafür fahre ich auch mal in die Harburger Berge oder in den Harz, um das passende Gelände zu haben. Ansonsten trainiere ich hauptsächlich so weiter, wie bisher. Zusätzlich schaue ich mir Livestreams und Videos von Top-Spielen an, analysiere Taktiken, gucke mir etwas ab und übertrage das auf mein Training.
Was würdest du anderen Studierenden raten, die Sport auf Spitzenniveau neben dem Studium betreiben wollen?
Das ist immer sehr individuell, denn jeder Leistungssport ist anders. Ich kann das Unterstützungsangebot „Studium und Spitzensport“ auf jeden Fall sehr empfehlen. Es hat mich sehr unterstützt, indem es nicht nur Hallenzeiten für das Training zwischen den Vorlesungen organisiert, sondern auch bei der Organisation von Prüfungsalternativen hilft und bei Gesprächen mit den Lehrenden vermittelt.
Hast du schon weitere Ziele oder Pläne?
Eigentlich bin ich sehr zufrieden damit, wie es läuft. Kurzfristig steht natürlich erst einmal die Weltmeisterschaft an. Langfristig möchte ich mein Studium erfolgreich abschließen, weiter hart trainieren und so gut werden, wie es mir möglich ist. Besonders am Herzen liegt mir auch die Nachwuchsarbeit. Es macht mir großen Spaß, Kinder für den Sport zu begeistern und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Auch die Inhalte, die ich im Studium lerne, kann ich sehr gut als Trainerin der Kinder-Teams anwenden. Sport und Studium ergänzen sich für mich also ganz perfekt!