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Kennt ihr schon… das Green-IT Housing-Center?

Server, Racks und Kaltgänge. Neonlichter und Arbeitsspeicher. Ein futuristischer Rundgang durch die Server-Hallen des Green-IT Housing-Centers.

In einem grauen Klotz, mitten auf dem Campus in der Leobener Straße, befindet sich das technische Herzstück der Universität Bremen. Das Green-IT Housing-Center. Jedes Vorlesungsvideo in Stud.IP, jede abgespeicherte Datei in Seafile, irgendwo sind diese Daten auf den Servern in diesem unscheinbaren Gebäude zu finden.

Darin berechnen große Rechnercluster die neuesten Modelle von Klimaforscher:innen, während zwei Meter weiter die aktuellen Studierendendaten aus dem Campus Management System ins Identity Management und zum E-Learning übertragen werden.

Wie das Green-IT Housing-Center funktioniert

„Wenn man nichts von uns hört, läuft alles rund“, sagt Kevin Dehmlow, kurz nachdem er den Sicherheitscode ins Zahlenschloss eingetippt hat. Er arbeitet seit 2016 als Fachinformatiker für das Housing-Center und erklärt mit stoischer Gelassenheit, wie die ganze Technik funktioniert.

In dem Gebäude direkt neben der Energiezentrale befinden sich zwei Rechenzentren, die weitestgehend autark voneinander betrieben werden. Sektion A und B. Jeder der Räume verfügt über eine eigene Kühlung und Stromversorgung. Fällt einer der beiden Räume durch eine Störung oder Wartungsarbeiten aus, können viele wichtige IT-Dienste der Universität wie E-Mail oder die Verwaltungs-IT weiter betrieben werden, ohne dass die Nutzer:innen die Störung bemerken.

2014 starteten die Sektionen A und B mit jeweils zwei Gängen und 48 Racks. Heute sind die Räume voll ausgebaut und es befinden sich in jedem Raum acht Gänge mit insgesamt 96 Racks. Racks sind die Schränke, in die die Server eingebaut werden. Jedes Institut und jeder Fachbereich haben hier völlig unterschiedliche Anforderungsprofile.

In der Gletscherforschung sind extrem große Mengen an Speicherplatz gefordert. Dafür kommen in der Berechnung von KI-Modellen meist mehrere Highend-Grafikkarten zum Einsatz. Innerhalb eines Racks gibt es kleine Einschübe, die von Kevin Dehmlow liebevoll Pizzaschachteln genannt werden. In diesen werden die einzelnen IT-Elemente verkabelt und an das Uni-Netz angeschlossen. In ein Rack passen insgesamt 47 solcher Pizzaschachteln.

Das Kühlsystem erklärt

Beim Betrieb dieser Technik kommt es zu einer hohen Wärmeentwicklung. Daher gibt es ein ausgeklügeltes Kühlsystem. Die Schränke, in denen die Server stehen, befinden sich in Kaltgängen. In diese wird von Kältemaschinen kühlende Luft eingeblasen. Die Rechner saugen die circa 21 Grad kalte Luft im Kaltgang an und blasen sie erwärmt in den dahinterliegenden Warmgang, in dem dadurch ein trockenes Wüstenklima herrscht. Es kann bis zu 32 Grad warm werden.

Gekühlt wird in den kalten Jahreszeiten mithilfe der Außenluft: Auf dem Dach des Gebäudes steht eine große Kühlanlage. Nur in den Sommermonaten muss ersatzweise auf eine Absorptionskälteanlage in der Energiezentrale zurückgegriffen werden, die aus Abwärme der städtischen Müllverbrennungsanlage Kälte erzeugt. Insgesamt ist die Kühlung, die einen beträchtlichen Teil des Energieverbrauchs von Rechenzentren ausmacht, damit sehr kosten- und CO2-effizient.

Mit der Entstehung des Housing-Centers wurde die Informationstechnologie der Universität Bremen an einem Ort vereint, um so Kosten und Energie zu sparen. Der Vorteil einer zentralen Anlage ist, dass nicht in jedem Gebäude eine eigene Kühlung und aufwendige Stromversorgung installiert werden muss. Die Anschaffungs- und Betriebskosten dafür sind extrem hoch und können durch die Zentralisierung reduziert werden.

Viel schief geht im Green-IT Housing-Center selten etwas, versichert der IT-Techniker. Es kam schon mal vor, dass die Kühlung plötzlich nicht mehr funktionierte. Dann springen die grünen Ampeln der Anlage plötzlich auf Gelb, da die Temperaturen schnell steigen, genauso wie der Stresspegel der Mitarbeiter:innen des Centers. Dann genügt aber ein Anruf bei der Energiezentrale und das Problem wird schnell behoben. Als normale:r Nutzer:in der Webdienste der Universität Bremen bekommt man davon aber so gut wie nie etwas mit.

Kevin Dehmlow
Kevin Dehmlow ist seit 2016 IT-Techniker im Green-IT Housing-Center.
© Universität Bremen

Weitere Informationen

Das Green-IT Housing-Center steht allen Institutionen der Universität unentgeltlich zur Verfügung. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite.

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