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14 Monate Korallenriffausstellung in Bremen

„Korallenriffe – vielfältig.verletzlich.verloren?“: Im Übersee-Museum erfährt man jetzt viel über dieses Ökosystem.

Anlässlich der beiden Weltkorallenriffsymposien „ICRS 2021 VIRTUAL“ und „ICRS 2022 IN-PERSON“, die die Universität Bremen organisiert, widmet sich das Übersee-Museum diesem Ökosystem. Bis zum 10. Juli 2022 können Interessierte in die faszinierende Welt der Korallenriffe eintauchen. Die Ausstellung ist eine Kooperation des ICRS-Konferenzsekretariats, des Übersee-Museums und des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund.

Bedeutung, globale und lokale Gefahren, Schutz – diese Aspekte begegnen Besucherinnen und Besuchern auf ihrem Rundgang durch die Ausstellung. „Vielen ist gar nicht bewusst, was Korallenriffe samt der beeindruckenden Vielfalt an dort lebenden Organismen eigentlich leisten – und zwar nicht zuletzt für uns Menschen“, erklärt Dr. Michaela Grein vom Übersee-Museum. Doch wer den ersten Ausstellungsteil in der Haupthalle in der großen Ozeanien-Ausstellung sowie den zweiten Teil im Kabinett des Übersee-Museums besucht, wird viel Interessantes aber auch Überraschendes über das bedeutendste Ökosystem der Ozeane erfahren.

Die Idee zu dieser Ausstellung stammt von Professor Christian Wild, Präsident des „ICRS 2021 VIRTUAL / ICRS 2022 IN-PERSON“ und Leiter der Abteilung für Marine Ökologie der Universität Bremen. Realisiert wurde sie von dem dreiköpfigen Kuratorium-Team Dr. Michaela Grein vom Übersee-Museum Bremen, Dr. Götz Bodo Reinicke, Kurator für Meeresökologie vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund sowie Heinz Krimmer vom ICRS 2021/22 Konferenzsekretariat.

„Wir in Europa sind Mitverursacher der weltweiten Korallenriffkrise“

Ein Schwerpunkt der Ausstellung setzt sich mit der Gefährdung der Korallenriffe auseinander. „Dieser Aspekt ist sehr wichtig, denn Korallenriffe sind in ihrer Existenz bedroht und wir in Europa sind Mitverursacher der weltweiten Korallenriffkrise“, so der Kurator Heinz Krimmer. Professor Christian Wild erklärt warum: „Der Ausstoß von CO₂ und anderen Treibhausgasen führt im Meer zu einer Erwärmung und einer Ansäuerung. Steinkorallen, die Riffe bilden, reagieren darauf sehr sensibel. Die Erwärmung löst oft die gefürchtete Korallenbleiche aus, während die Ansäuerung die Bildung von Riffstrukturen aus Kalk durch Korallen zunehmend erschwert. Der hohe CO₂ -Ausstoß beinhaltet für die tropischen Korallenriffe demnach gleich zwei Bedrohungen. Daher könnte es in der Zukunft sogar zum Verlust dieser Ökosysteme kommen.” Kommen noch lokale Bedrohungen wie Überfischung oder Umweltverschmutzung hinzu, können schon heute die Verluste an Korallenriffen verheerende Ausmaße annehmen. „In der Karibik sind in den letzten 40 Jahren rund 80 Prozent der Korallenbestände verloren gegangen“, so Dr. Götz Bode Reinicke.

Eine Besucherin im Überseemuseum vor dem Modell eines Riffausschnittes.
© Volker Beinhorn

Es gibt Hoffnung, doch die Zeit drängt

Doch noch ist es nicht zu spät. In fast allen Riffregionen existieren noch intakte Riffe. Vor allem in Meeresregionen, die weitgehend frei von menschlichen Einflüssen sind. Meeresbiologen erforschen widerstandsfähige Arten, die höheren Temperaturen standhalten und erproben Methoden zur Wiederaufforstung von Riffen. Schutzgebiete werden eingerichtet. Es gibt also durchaus noch Hoffnung.

Doch die Zeit drängt. Denn trotz aller bisherigen Bemühungen und lokaler positiver Entwicklungen schreitet die Zerstörung der Korallenriffe weltweit weiter voran. Deshalb, so die Botschaft der Ausstellung, besteht dringender Handlungsbedarf. Vor allem die hohen CO2-Emissionen müssen so schnell wie möglich reduziert werden. Sie sind die größte Bedrohung für die Zukunft dieser Ökosysteme. Es wäre ein unwiederbringlicher Verlust, wenn wir das artenreichste und faszinierendste Ökosystem der Ozeane verlieren würden.

Bedeutendste Korallenriffkonferenz der Welt

Noch nie in der über 50-jährigen Geschichte des ICRS wurde ein Korallenriff-Symposium in Europa ausgerichtet. Ursprünglich sollte die internationale Konferenz im vergangenen Jahr unter dem Namen „14. ICRS 2020“ stattfinden. Auf Grund der Pandemie musste das Symposium verschoben werden. Das ICRS Konferenzsekretariat der Universität Bremen entwickelte unter der Leitung von Professor Christian Wild ein neues Konzept: Eine rein digitale Veranstaltung vom 19. bis 23. Juli 2021 unter dem Titel „14. ICRS 2021 VIRTUAL“ und eine, wie ursprünglich geplante, Präsenz-Veranstaltung in Bremen unter dem Namen „15. ICRS 2022 IN-PERSON“. Dieses wird die größte Meereskonferenz sein, die bisher in Deutschland stattgefunden hat.

Weitere Informationen

Webseite Überseemuseum

Webseite Weltkorallenriffsymposien

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