© Universität Bremen / Matej Meza
Der Sprung ins Unbekannte
Kristin Blesch und Maximilian Schmidt haben den Schritt von der Forschung in die Gründung gewagt – und dabei nicht nur ihr Arbeitsfeld, sondern auch ihr Selbstverständnis verändert
Aus der Wissenschaft heraus zu gründen, verändert vieles: Plötzlich ist man nicht mehr nur Forscher:in, sondern auch Unternehmer:in. Was macht es mit Menschen, wenn sie nicht mehr nur dem Erkenntnisgewinn, sondern auch den Anforderungen des Marktes verpflichtet sind? Kristin Blesch und Maximilian Schmidt haben uns einen Einblick gegeben.
Eine neue Arbeitsweise
Als einen „herausfordernden, aber bereichernden Prozess“ beschreibt aisencia-Gründer Maximilian Schmidt den Übergang von der Wissenschaft in die Start-up-Welt. Als Mitglied der Arbeitsgruppe „Industriemathematik“ an der Universität Bremen forschte er lange Zeit zu theoretischen Fragestellungen. Doch durch den Impuls eines Pathologen erkannte er das Potenzial, mit Künstlicher Intelligenz die Analyse von Hautproben zu revolutionieren.
Die Chance, Forschung direkt in eine medizinische Anwendung zu übertragen, führte zur Gründung von aisencia. Gemeinsam mit Jean Le’Clerc Arrastia, Daniel Otero Baguer und Dietrich Schreiber entwickelte Schmidt ein KI-gestütztes Diagnose-Tool, das über 40 Hauterkrankungen erkennen kann und derzeit für den europäischen Markt zertifiziert wird.
Mit der Gründung veränderte sich für Schmidt nicht nur das Arbeitsfeld, sondern auch seine Arbeitsweise: „Viele organisatorische Dinge laufen beim Gründen schneller ab als an der Universität. Daran musste ich mich erst gewöhnen.“ Statt ausschließlich zu forschen, bestimmen heute Management, Organisation und unternehmerische Entscheidungen seinen Alltag – von Buchhaltung über Regulatorik bis hin zu Gesprächen mit Investor:innen.
Besonders deutlich wurde der Rollenwechsel, als Ende 2023 der erste Mitarbeitende außerhalb des Gründungsteams ins Unternehmen kam. Auch die Übernahme der Geschäftsführung markierte einen Meilenstein: „Man trägt plötzlich Verantwortung – nicht nur für Projekte, sondern für Menschen und die Zukunft des Unternehmens.“
„Man trägt plötzlich Verantwortung – nicht nur für Projekte, sondern für Menschen und die Zukunft des Unternehmens.“ Maximilian Schmidt
Trotz allem helfen ihm wissenschaftliche Erfahrungen bis heute – etwa bei der strukturierten Problemlösung oder dem Schreiben von Förderanträgen. Unterstützt wurde das Team von der Gründungsförderung der Universität Bremen – insbesondere bei der Antragstellung für das EXIST-Programm und im gesamten Gründungsprozess.
Ein neues Selbstverständnis
Kristin Blesch möchte Wissenschaft und Wirtschaft zusammen denken und KI-Anwendungen transparent und vertrauenswürdig gestalten. Während ihrer Promotion am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) und an der Universität Bremen forschte die Informatikerin an einer aktuellen Problematik: Viele KI-Algorithmen sind für Anwender:innen eine „Black Box“.
Doch gerade in Unternehmen ist die Erklärbarkeit entscheidend, um Vertrauen in KI-Anwendungen zu schaffen. „Die verfügbare Software richtet sich eher an das akademische Fachpublikum und hat kaum die praktische Anwendung im Blick“, so Blesch. „Es fehlt eine benutzerfreundliche Lösung mit Schnittstellen zur direkten Nutzung im Unternehmenskontext.“
Diese will sie nun gemeinsam mit zwei Mitgründern entwickeln – unterstützt durch das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie das Hochschulgründungsnetzwerk BRIDGE an der Universität Bremen.
Der Sprung in die Gründung verändert für sie nicht nur das Arbeitsfeld, sondern auch das Selbstverständnis: „Plötzlich stehen Themen wie Finanzierung, Marketing oder Gespräche mit Kund:innen im Raum“, sagt Blesch. Die wissenschaftliche Perspektive reicht nicht mehr aus – nun geht es auch darum, am Markt zu bestehen.
„BRIDGE und das EXIST-Programm erleichtern den Start.“ Kristin Blesch
Eine große Unterstützung erlebt sie dabei durch BRIDGE und in der Bremer Gründungsszene. „Alle sind sehr aufgeschlossen und interessieren sich für ganz unterschiedliche Themen“, sagt Blesch. Über verschiedene Angebote von BRIDGE wie Netzwerkveranstaltungen, Beratungen und Formate wie zum Beispiel das Pitch-Training im Rahmen des StartUp-Workouts konnte sie früh lernen, wie sich wissenschaftliche Ideen in tragfähige Geschäftsmodelle übersetzen lassen. Besonders wichtig ist es Kristin Blesch dabei, einen positiven Impact für Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten.
Transfermagazin der Universität Bremen
Dieser Artikel erschien erstmals 2025 im Transfermagazin der Universität Bremen, herausgegeben von UniTransfer – der Servicestelle für Transferaktivitäten. Das Magazin porträtiert Menschen, Projekte und Kooperationen, die zeigen, wie Forschung aus Bremen gesellschaftlich wirkt – weit über die Region hinaus.
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