© Matej Meza / Universität Bremen
Imkern global gedacht
Der kamerunische Biologe Mazi Sanda ist für ein Jahr an der Uni Bremen und bereichert die Lehre um neue Perspektiven
Er ist goldfarben, süß und klebrig – und doch schmeckt Honig aus Kamerun anders. Dunkler, würziger, manchmal fast rauchig. „Man schmeckt in dem Honig den Duft der Savanne“, sagt Mazi Sanda, Junior Associate Professor of Ecology an der Universität Ngaoundéré, Kamerun. In seinem Seminar an der Uni Bremen lässt er die Studierenden von dem Honig probieren, als Teil eines größeren Einblicks in das Imkern in Kamerun und anderen afrikanischen Ländern.
Das Ziel von Mazi Sandas Aufenthalt: in zahlreichen Lehrveranstaltungen den Studierenden internationale Perspektiven ermöglichen, mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit. Hierfür ist er seit März 2026 für ein Jahr an der Universität Bremen, gefördert vom Gastdozentenprogramm des Deutschen Akademische Austauschdienstes (DAAD) und vom Internationalisierungsfonds der Universität Bremen. Mit der Universität Bremen ist Mazi Sanda schon lange verbunden: 2010 kam er zum ersten Mal hierher, für seine Promotion bei der Bienenforscherin Dorothea Brückner. Es folgten mehrere weitere Forschungsaufenthalte. 2025 wurde er dann Research Ambassador, also Botschafter für die Universität Bremen im Ausland. Dass er nun für ein ganzes Jahr nach Bremen zurückgekehrt, liegt auch an seiner engen Zusammenarbeit mit Marko Rohlfs, Professor für Chemische Ökologie, und Dr. Ute Meyer, Beauftragte für Internationalisierung und Diversität am Fachbereich Biologie / Chemie der Universität Bremen. Sie stellten nicht nur den DAAD-Antrag, sondern unterstützen Mazi Sanda und seine Familie auch bei vielen praktischen Fragen des Alltags.
In seiner Forschung beschäftigt sich Mazi Sanda allem mit den Beziehungen zwischen Insekten, insbesondere Bienen, und Pflanzen sowie deren Bedeutung für Landwirtschaft, Biodiversität und Naturschutz. „Dabei geht es mir auch um die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur“, sagt er. So befasst sich der Insektenökologe damit, welche Bedeutung das Imkern in verschiedenen Kulturen hat und wie sich der Einsatz von Pestiziden auf Bäuer:innen in Kamerun auswirkt.
„Mazi Sandas Forschung passt sehr gut zu unseren eigenen Schwerpunkten und unserem Reallabor zum Thema Insektenvielfalt“, sagt Marko Rohlfs. „Außerdem bringt er westliche und zentralafrikanische Forschungsansätze zusammen. Das ist an der Universität Bremen umso bedeutender, weil beispielsweise in unserem Masterstudiengang Ecology über ein Drittel aller Studierenden aus zentralafrikanischen Staaten kommt.“
© Matej Meza / Universität Bremen
Of bees and men – von Bienen und Menschen
Mit seiner vielfältigen Forschung spricht Mazi Sanda nicht nur Biolog:innen, sondern Studierende aller Fachrichtungen an. Nicht zuletzt deshalb gehört sein Seminar „Of bees and men – an African perspective“ in diesem Sommersemester zum General Studies-Angebot der Universität. Es geht um das Imkern als globales Phänomen, das zugleich stark kulturell geprägt ist. „Das Thema bietet sich an, weil die meisten einen unmittelbaren Zugang und eine Vorstellung davon haben“, sagt Mazi Sanda. „Aber so wie Honig aus Kamerun anders schmeckt als Honig aus Deutschland, unterscheiden sind auch Produktionsbedingungen und kulturelle Bedeutung.“
So wird etwa in Kamerun Honig häufiger von wildlebenden Honigbienen gewonnen, die Bienenstöcke sind oft aus Naturmaterialien wie Baumstämmen oder aus Flechtkörben. Und auch die Art, wie Honig verwendet wird, unterscheidet sich. „Honig viel häufiger im Alltag genutzt“ sagt Mazi Sanda. Auch bei Hochzeiten und anderen Festlichkeiten spielt er eine wichtige Rolle. Sogar in Amuletten sind Honig und andere Erzeugnisse der Bienen eingearbeitet und haben dort eine spirituelle Bedeutung.
Das Seminar verbindet theoretische Inhalte mit praktischen Erfahrungen. Im Reallabor „Campus goes Biodiverse“ lernen Studierende konkrete Maßnahmen kennen, mit denen Biodiversität allgemein auf dem Campus gefördert werden kann. Das Reallabor ist Teil des BMFTR (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt)-geförderten Projekts „BreGoS – Bremen Goes Sustainable“ und wird unter der Leitung von Marko Rohlfs umgesetzt.
Dialog über die Universität hinaus
Der Besuch von Mazi Sanda findet nicht im luftleeren Raum statt: Die Universität Ngaoundéré ist schon seit längerem strategische Partneruniversität der Universität Bremen. Auch die Beziehungen zwischen Bremen und Tibati, einer Stadt etwa 150 Kilometer entfernt von Ngaoundéré, sind eng. Sie gehen zurück auf die 32-jährige gewaltsame deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun. Vor diesem Hintergrund war im Juni der Lamido, der traditionelle regionale König von Tibati, im Überseemuseum zu Gast und nahm am Seminar von Mazi Sanda an der Universität teil. Diese Begegnung zeigt einmal mehr, was Mazi Sanda auch in seinen Seminaren lehrt: wie eng Biologie, Kultur, Geschichte, Ökonomie und weitere Disziplinen miteinander verbunden sind.
Ankommen in Bremen – wie das Welcome Center unterstützt
Mazi Sanda ist nicht alleine in Bremen – seine Familie ist mitgekommen, seine Kinder besuchen hier Kindergarten und Schule. Unterstützung beim Ankommen bekamen sie vom Welcome Center der U Bremen Research Alliance (UBRA). Das Welcome Center unterstützt Forschende und ihre Familien bei der Planung und Durchführung ihres Aufenthaltes in Bremen und Bremerhaven. Es berät zu nicht-akademischen und praktischen Fragen wie etwa der Wohnungssuche, dem Abschluss von Versicherungen oder der Suche nach Kindergarten- und Schulplätzen.