© Matej Meza / Universität Bremen
„In Bremen kann ich einfach ich selbst sein“
Chinmay Karlekar über Space Engineering, kreatives Schreiben und sein Ankommen in Bremen
Chinmay ist für seinen Master in Space Engineering (Raumfahrttechnik) aus dem indischen Pune an die Universität Bremen gekommen. Neben Weltraumforschung und Raketen begeistert ihn kreatives Schreiben und genau das bringt er in Workshopformaten auch anderen näher.
Chinmay, was hat dich dazu gebracht, ausgerechnet in Bremen zu studieren?
In Indien ist es extrem schwer, einen Masterplatz zu bekommen. Nicht unbedingt, weil man nicht qualifiziert wäre, sondern weil es so viele Bewerber:innen gibt. Es geht dann irgendwann nur noch darum, wer sich am schnellsten durchsetzt. Ich wollte aber einen Ort, an dem es ums Lernen geht, nicht um Konkurrenz.
Deutschland war für mich ideal, weil die Studiengebühren wegfallen und das Bildungssystem frei zugänglich ist. Bremen speziell hat mich überzeugt, weil das Space Engineering-Programm genau meinen Interessen entspricht: interdisziplinär, technisch, praxisnah.
Wie war dein Ankommen in Bremen? Hast du dich schnell zurechtgefunden?
Viel einfacher, als ich gedacht hatte. Ich habe mich sofort willkommen gefühlt. Ich hatte mich innerlich auf einen Kulturschock eingestellt, aber stattdessen fühlte sich Bremen direkt vertraut an. Vielleicht, weil die Stadt grün ist und die Menschen freundlich sind, das erinnert mich an meine Heimatstadt Pune.
Auch die Uni hat geholfen: Der Campus ist weitläufig, grün und gar nicht überladen. Es gab Campusführungen, Infoveranstaltungen vom International Office und direkte Ansprechpartner:innen. Das hat wirklich geholfen.
Was gefällt dir besonders an der Universität Bremen?
Ich schätze die Flexibilität. In Indien ist der Studienverlauf viel strikter. Hier kann ich selbst entscheiden, wie viele Veranstaltungen ich pro Semester belege. Auch das Verhältnis zu den Lehrenden ist offener. Viele sind ansprechbar und hilfsbereit. Und ich habe das Gefühl, dass ich als internationale Person ernst genommen werde. Das ist auch sehr wichtig für mich.
Du gibst einen kreativen Schreibworkshop. Wie kam es dazu und was bedeutet dir Schreiben?
Ich habe früher sehr viel gelesen, irgendwann wurde mir das zu passiv. Ich wollte selbst schreiben, meine Ideen in Worte fassen. Jetzt habe ich dutzende Texte und Story-Entwürfe. Alle unfertig, aber sie existieren. Es geht mir gar nicht ums Veröffentlichen, sondern ums Ausdrücken.
Im Workshop geht es auch nicht darum, perfekt zu sein. Ich sage immer: Schreib nicht, um zu beeindrucken, schreib, um dich zu verbinden. Jede:r bringt etwas Eigenes mit. Wir treffen uns locker, teilen Texte und geben uns Feedback. Ganz im Sinne von: „Come as you are.“
Hast du durch dein Schreiben auch andere Perspektiven auf das Leben hier gewonnen?
Absolut. Schreiben hilft mir, Gedanken zu sortieren. Während Corona habe ich zum Beispiel über Diwali geschrieben, das hinduistische Lichterfest. Für mich stand es in diesem Moment für Hoffnung, mitten in einer Zeit, in der alles unsicher war. Solche Texte geben mir Struktur und Verbindung zu mir selbst und zu anderen.
Wie erlebst du den kulturellen Austausch an der Uni?
Besonders spannend finde ich die Diskussionen im Seminar „Ethik und Technik“. Dort reden wir über moralische Fragen aus verschiedenen kulturellen Blickwinkeln und das erweitert den Horizont enorm. Man lernt nicht nur etwas über Inhalte, sondern auch über Menschen.
Was würdest du internationalen Studierenden raten, die überlegen, nach Bremen zu kommen?
Seid offen und bleibt ihr selbst. Ich kenne das aus Indien: Man passt sich an, verstellt sich, versucht, irgendwo hineinzupassen. Aber hier musst du das nicht. In Bremen kannst du echt sein. Niemand erwartet Perfektion. Und: Kommt mit offenem Geist. Lasst euch auf das Neue ein, ohne alles vorher durchplanen zu wollen. Bremen wird euch überraschen.
Und zuletzt: Wenn du deine bisherige Erfahrung an der Uni Bremen in einem Satz zusammenfassen müsstest, wie würde er lauten?
Für mich fühlt es sich an, als wäre ich endlich da angekommen, wo ich hingehöre.
Sei, wer du bist. Das wird an der Uni Bremen gelebt und gefördert.
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