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Damals: Der lange Weg zu den Straßennamen

Männernamen, neutrale Lösungen oder doch funktionale Begriffe? Beim Bau des „Stadtteils Universität“ wurde intensiv über die Straßenbezeichnungen diskutiert

Schon Mitte der 1960er-Jahre – noch vor dem ersten Spatenstich – diskutierte der Bremer Senat über Straßennamen auf dem Gebiet der zukünftigen Universität. Er sprach sich für die Benennung nach bedeutenden Persönlichkeiten aus, um insbesondere den verstorbenen Bundespräsidenten Theodor Heuss auf diese Weise zu ehren. Doch dann kam alles ganz anders.

Im Mai 1971 legt der Bausenator eine erste Namensliste vor, nach der ausschließlich männliche Personen des öffentlichen Lebens an der Uni verewigt werden sollen. Die Vorschläge stoßen bei den zuständigen Instanzen – dem Bildungssenator, dem Staatsarchiv als Gutachter und dem Ortsbeirat Horn-Lehe – auf Zustimmung. Dagegen plädiert die Universität, die als Anliegerin nur ein Anhörungsrecht hat, für sachbezogene Bezeichnungen und schlägt Flurnamen „analog der in diesem Gebiet bereits gebräuchlichen Straßennamen wie Achterstraße“ vor.

In Runde 1 sind Personennamen im Gespräch

Doch diese Idee wird zurückgewiesen, weil nicht ausreichend Gewässer- und Flurnamen vorhanden seien. Das Staatsarchiv bringt jedoch als „neutrale Lösung“ geografische oder maritime Bezeichnungen ins Spiel. Diesen Vorschlag greift die Universität sofort auf, denn die Benennung nach Persönlichkeiten wird hier kategorisch zurückgewiesen: „Die vorgesehenen Personennamen stoßen bei den Hochschullehrern und Studenten auf Ablehnung.“ Gleichzeitig sei zu erwarten, dass Namensvorschläge der Universität bei den anderen beteiligten Parteien keine Zustimmung finden werden.

„Chaoten-Korso“ oder „Straße zum Berufsverbot“: Die Namensvorschläge beim Wettbewerb spiegelten auch die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in der Anfangszeit der Universität wider.
© Universitätsarchiv

Bildungs- und Bausenator setzen sich für eine einvernehmliche Lösung ein und plädieren nun ebenfalls für sachbezogene Straßennamen. Bei ihren Kollegen finden sie jedoch keine Mehrheit. Am 10. Oktober 1972 entscheidet der Senat, dass „Straßen im Bereich der Universität Namen von bedeutenden Persönlichkeiten erhalten sollen“.

2. Runde: Funktionale Namen

Während die zuständigen Ämter die Umsetzung des Beschlusses verfolgen, wird an der Uni dessen ungeachtet ein neuer Vorschlag ausgearbeitet und dem Bausenator im Mai 1973 präsentiert: Die Namen sollen nun eine orientierende Funktion haben – die Straßen sollen also nach jenen Gebäuden bezeichnet werden, zu denen sie hinführen, beispielsweise Bibliothek- oder Mensastraße. Als eine Einigung nicht in Sicht ist, lobt das Rektorat im März 1974 zusätzlich einen uni-internen Wettbewerb aus, an dem sich auch die Leser der lebhaft berichtenden Lokalpresse beteiligen.

Eigentlich sollte die Bibliothekstraße ganz anders heißen, doch man wollte den Behördenweg nicht noch einmal gehen.

Finale: Österreichische Städtenamen

Am 2. April 1974 hebt der Bremer Senat schließlich seinen Beschluss von 1972 auf. Nun können die Straßen an der Uni auch sachliche Bezeichnungen tragen. Nach weiteren Beratungen einigen sich die Beteiligten auf die Benennung nach österreichischen Städten, wie sie auch für die geplanten Wohngebiete im Blockland vorgesehen sind. Am 3. Juni 1975 beschließt der Bremer Senat die eingereichte Liste.

Doch diese Liste enthält drei Ausnahmen: „Universitätsallee“ und „Hochschulring“ für die beiden großen Zufahrtsstraßen und – zum Ärger der Uni-Planer – „Bibliothekstraße“ für die Straße zum Zentralbereich. Diese Bezeichnung hatten sie so nicht geplant – aber den „langen behördlichen Instanzenweg“ wollen sie nicht noch einmal gehen.

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