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„Rassismus ist unser ständiger Begleiter“

Die Bremer Vereinigung Schwarzer Studierender trifft sich regelmäßig und organisiert Veranstaltungen.

Die Bremer Vereinigung Schwarzer Studierender, die Black Student Union (BSU), hat für Februar einen „Monat unserer schwarzen Geschichte“ ausgerufen – den „Black OurStory Month“. In Workshops, Lesungen und Vorträgen geht es um schwarze Geschichte, Kultur und Rassismus. Die Gruppe will Themen ins Bewusstsein bringen, über die viele weiße Menschen gar nicht nachdenken.

Maciré Bakayoko fand es nicht gut, dass sie als schwarze Studentin in Seminaren an der Universität ständig in der Minderheit war. „Ich wurde von Dozentinnen darauf angesprochen, dass es gut wäre, sich zu organisieren“, erzählt die 25-Jährige, die in Bremen geboren ist und Linguistik und Kulturwissenschaften studiert.

Vor zwei Jahren gründete sie die Bremer Vereinigung Schwarzer Studierender, die Black Student Union (BSU) mit. Seitdem treffen sich rund 15 Personen aus verschiedenen Bereichen regelmäßig und tauschen sich über Geschichte und Politik aus, aber auch über ihre Erfahrungen mit Rassismus. „Rassismus ist unser ständiger Begleiter“, sagt Maciré. „Manchmal tritt er offen auf, manchmal ist er unterschwellig zu spüren, aber er zieht sich durch unseren Alltag. Oft sind das Sachen, die einem im Alltag passieren, die man erst mal verarbeiten muss und dann feststellt: Nein, das war nicht in Ordnung.“

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Maciré Bakayoko und Patience Amankwah (v.l.) haben den Black Ourstory Month mitorganisiert.
Foto: Harald Rehling / Universität Bremen

Strukturen müssen sich verändern

Die meisten der 15 Mitglieder sind Studierende. Ihnen geht es aber nicht nur darum, eigene Erfahrungen mit Rassismus auszutauschen. Sie wollen die Strukturen analysieren und sie verändern, sagt Maciré Bakayoko: „Welche Strukturen führen dazu, dass schwarze Menschen, je höher man zum Beispiel in Bildungsinstitutionen geht, immer weniger werden. Warum sind wir nicht in Führungspositionen? Warum wohnen wir in bestimmten Vierteln?“

Patience Amankwah stimmt ihr zu, dass es gut ist, sich mit anderen schwarzen Studierenden zu vernetzen: „Es geht uns darum, uns gegenseitig zu stärken. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich übertreibe, oder mir das zu sehr zu Herzen nehme. Aber vieles ist einfach nicht ok. Es geht darum, sich Überlebensstrategien anzueignen, das ist total sinnvoll und hilfreich.“ Aber auch ihr ist es wichtig, sich nicht nur über rassistisches Verhalten zu ärgern. Sie will sich engagieren, aufklären und dadurch etwas Grundlegendes verändern.

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Gut besucht: Die Poetry Night in der Schwankhalle.
Foto: Harald Rehling / Universität Bremen

Schwarze Geschichte zu wenig im Schulunterricht

„Wir wollen Hintergründe aufarbeiten. Wenn wir die Gegenwart ändern wollen, müssen wir die Vergangenheit verstehen,“ sagt Patience Amankwah. Und da gibt es in der Tat viel aufzuarbeiten. Die schwarze deutsche oder afro-deutsche Geschichte ist lang. Nicht nur in Bremen, auch in Hamburg, wo sie aufgewachsen ist, spielt die Kolonialgeschichte eine prägende Rolle.

Aber im Schulunterricht? Fehlanzeige, sagt Patience Amankwah, die an der Universität Bremen Germanistik und Anglistik auf Lehramt studiert. Sie hätte sich in ihrer Schulzeit gewünscht, dass dort mehr darüber vermittelt wird, denn die Folgen seien ja bis heute spürbar. „Warum müssen wir eigentlich auf unsere Geschichte, die auch Teil der deutschen Geschichte ist, aufmerksam machen? Warum ist es nicht selbstverständlich, dass das in Schulbüchern vorkommt? Warum ist es nicht normal, dass ich das in der Schule lerne?“

„Es ist auch unsere Geschichte“

Um solche Fragen stärker in den Fokus zu rücken, hat die Bremer Vereinigung Schwarzer Studierender für Februar einen „Monat unserer schwarzen Geschichte“ ausgerufen – den „Black OurStory Month“. In Workshops, Lesungen und Vorträgen geht es um die Themen Schwarzsein, Schwarze Geschichte, Kultur und Rassismus.

„Black History Months“ gibt es in einigen anderen Städten, wie zum Beispiel in Hamburg, Berlin, Mainz und München schon. Die Bremer Gruppe nennt ihr Projekt aber „OurStory“. „Damit wollen wir deutlich machen, dass Geschichtsschreibung immer männlich ist“, erklärt Maciré Bakayoko. „Wir wollen einen neuen Ansatz: Wir sind keine homogene Gruppe. Identitäten, Leben, Sexualität innerhalb der schwarzen Gemeinschaft sind sehr unterschiedlich. Wir wollen eine Geschichte, in der wir alle unseren Platz finden. Es ist auch unsere Geschichte.“

Das Programm gibt es auf der Facebook-Seite der Black Student Union

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