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„Green Open Access erhöht die weltweite Sichtbarkeit“

Schon von Gold oder Green Open Access gehört und wie man Predatory Journals erkennt und meidet?

Wer in der Wissenschaft publiziert, ist mit Open Access mittlerweile vertraut. Es gibt den sogenannten goldenen und grünen Weg bei dieser kostenfreien Veröffentlichungsform. Letzterer ist noch nicht so bekannt. Das soll sich durch die neue Mitarbeiterin Lydia Pryce-Jones in der Staats- und Universitätsbibliothek (SuUB) ändern. Zu ihrer Arbeit gehört auch die Beratung zum Thema Predatory Publishing – die Sensibilisierung für die unseriösen Praktiken von sogenannten Raubverlagen.

Frau Pryce-Jones, zunächst vorab: Nicht alle Leserinnen und Leser kennen sich mit Open Access aus. Können Sie uns kurz erklären, was das genau ist?

Mit Open Access bezeichnet man den freien, offenen Zugang zu wissenschaftlicher Information. Dieser ist durch mehrere Aspekte gekennzeichnet: Die wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten sind in diesem Modell in digitaler Form kostenfrei und unkompliziert zugänglich. Im Gegensatz dazu müssen bei dem traditionellen Publikationsmodell in der Regel die Leserinnen und Leser für den von ihnen gelesenen Inhalt bezahlen. Dadurch haben nur die Einzelpersonen oder Institutionen Zugriff, die diese Gebühren entrichten. Aus diesem Grund spricht man hier manchmal auch von Closed Access. Der Vorteil beim Open Access-Modell besteht also darin, dass unbeschränkter Zugang zu Forschungsergebnissen besteht. Und zwar sowohl für die weltweite wissenschaftliche Gemeinschaft als auch für die interessierte Öffentlichkeit. Damit gewährleistet das Open-Access-Modell eine breitere Leserschaft.

Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass im traditionellen Publikationsmodell die Nutzungsrechte für den veröffentlichten Inhalt normalerweise auf den Verlag übertragen werden, während die Autorinnen und Autoren dem Verlag bei Open-Access-Publikationen im Regelfall nur einfache Nutzungsrechte einräumen. Möchte ich also zum Beispiel einen Teil eines Artikels, der in einer Close-Access-Zeitschrift veröffentlicht wurde, verwenden, muss ich die Erlaubnis der Zeitschrift einholen. Open-Access-Publikationen hingegen verwenden häufig Creative Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen), die es Nutzerinnen und Nutzern erleichtern, die ursprüngliche Arbeit zu teilen, zu verwenden und darauf aufzubauen. Die zu veröffentlichenden Texte sollten natürlich auch einem Qualitätssicherungsverfahren unterzogen werden. Das ist in der Regel ein Peer-Review-Verfahren. Hier bewerten Experten die eingereichten Beiträge aus fachlicher Sicht.

Was bedeuten nun darüber hinaus Gold und Green Open Access?

Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen zwei Open-Access-Strategien: Zum einen kann bereits die Erstveröffentlichung als Open-Access-Publikation realisiert werden – typischerweise als Verlagspublikation. Diese Strategie wird als goldener Weg des Open Access bezeichnet. Zum anderen können bereits bei einem Verlag veröffentlichte Publikationen zu einem späteren Zeitpunkt als Open-Access-Dokumente bereitgestellt werden – also als Zweitveröffentlichung. Diese Strategie wird als grüner Weg des Open Access bezeichnet. Die SuUB unterstützt beide Wege. Bereits seit zehn Jahren stellt sie einen Publikationsfonds bereit, aus dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Bremen die Open-Access-Gebühren zurückerstattet bekommen, die die Verlage erheben. Seit 2019 ist dieser Fonds auch für alle bremischen Hochschulen geöffnet. Mit der Schaffung meiner Stelle setzen nun die Universität Bremen und die SuUB gemeinsam ein Zeichen, dass auch Green Open Access stärker gefördert werden muss, um die weltweite Sichtbarkeit von Bremer Publikationen zu verbessern. Dazu laufen im Augenblick zwei Projekte: Zurzeit spielen wir Zweitveröffentlichungen aus dem Wissenschaftsschwerpunkt der Sozialwissenschaften und dem MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen in den Media-Dokumentenserver ein. Dadurch werden sie sichtbarer und nachhaltiger nutzbar.

Welche Vorteile bieten Open-Access-Publikationen sowie der goldene und grüne Weg?

Das Publizieren im Open Access bietet Forschenden viele Vorteile: Sie können zum Beispiel schneller veröffentlichen und sich aktiv an aktuellen Diskussionen beteiligen. Hinzu kommt die Möglichkeit sich in einer breiten Community zu vernetzen, da die Forschungsergebnisse dann weltweit abrufbar sind. Sie können mit Open-Access-Publikationen eine größere Reichweite erzielen. Insgesamt stärkt das den gesellschaftlichen Dialog, weil auch Bürgerinnen und Bürger sowie Journalistinnen und Journalisten Zugang zu dem Wissen haben.

Gold-Open-Access-Veröffentlichungen profitieren von Publikationsfonds. Und weil sie weltweit einfacher gefunden, abgerufen und geteilt werden können, erhöhen Green- und Gold-Open-Access-Publikationen sowohl die Reputation als auch die Lese- und Zitationsraten ihrer Autorinnen und Autoren. Abgesehen davon ist Open Access mittlerweile oft ein Förderkriterium von nationalen und internationalen Drittmittelgebern wie zum Beispiel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder der Europäischen Union (EU). Egal welche Entscheidung Autorinnen und Autoren treffen und welche Route sie wählen – das Publikationsteam der SuUB unterstützt und berät bei allen Entscheidungen.

Worauf sollte man beim Veröffentlichen achten?

Wie bei allen Veröffentlichungen in Online-Zeitschriften sollte man darauf achten, dass man bei seriösen Verlagen publiziert und nicht bei sogenannten „Predatory Publishers“. Solche Verlage finanzieren sich durch Publikationsgebühren, die von den Autorinnen und Autoren eingereichter Beiträge gezahlt werden. Die wissenschaftliche Relevanz der Zeitschrift und Standards guter wissenschaftlicher Praxis sind allerdings nur vorgetäuscht. Weder findet eine Qualitätskontrolle durch Peer-Review statt, noch werden die Artikel in relevanten Fachdatenbanken nachgewiesen, sind also oft nur durch allgemeine Suchmaschinen auffindbar und werden daher von der Fachcommunity nicht wahrgenommen. Auch eine dauerhafte Verfügbarkeit über die Webseite der Raubverlage ist nicht ausreichend gewährleistet. Wird der Betrieb einer Onlineplattform eingestellt, können Artikel über Nacht verschwinden.

Wie erkennt man Predatory Journals?

Das ist die Tausend-Euro-Frage. Da es über 100.000 wissenschaftliche E-Journals gibt und immer neue hinzukommen, ist dies oft schwer zu beurteilen. Wir empfehlen daher eine Prüfung mit Think.Check.Submit. Einen ersten Anlaufpunkt bieten zudem sogenannte Positivlisten. Wird die Zeitschrift zum Beispiel in einer bekannten Zitationsdatenbank ausgewertet oder ist sie im Directory of Open Access Journals verzeichnet? Auf der anderen Seite kann man auch Negativlisten überprüfen, zum Beispiel Stop Predatory Journals. Oft ein guter Tipp ist die Nachfrage in der eigenen Fachcommunity – sind die Gutachtenden und Herausgebenden bekannt oder verifizierbar, und publizieren bereits andere Forschende der eigenen Community dort? Das sind ein paar Anhaltspunkte. Mehr Informationen sind auf unserer Webseite zu finden. Wir sind zudem gerade dabei, eine Checkliste für die Prüfung unseriöser Zeitschriften für unsere bremischen Autorinnen und Autoren zu erstellen, die bei der Entscheidungsfindung helfen soll.

Wie kann man sich zu Predatory Publishing bei Ihnen beraten lassen?

Das gesamte Publikationsteam der SuUB ist Ansprechpartner bei Fragen rund um das Thema „Predatory Publishing“. Sie können uns am besten unter publizieren@suub.uni-bremen.de erreichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können sich zudem an von der Universität ernannte Vertrauenspersonen wenden. Diese beraten vertraulich vor dem Publizieren oder auch in Fällen, in denen bereits eine Publikation bei unseriösen Verlagen stattgefunden hat.

Weiterführende Links:

SuUB: Publizieren

SuUB: Fördermöglichkeiten

up2date: “Eine Paywall ist nicht mehr zeitgemäß”

Zur Person:

Lydia Pryce-Jones hat seit Ende 2020 die Projektleitung Green Open Access / Zweitveröffentlichungen an der SuUB Bremen. Davor absolvierte sie ein zweijähriges Bibliotheksreferendariat an der SuUB Bremen und der Bibliotheksakademie München. Von 2011 bis 2018 war sie Bibliothekarin an der Taylor Institution Library, Bodleian Libraries, Oxford (Großbritannien). Ihr Magisterstudium für Kommunikations-, Medienwissenschaft und Anglistik schloss sie 2010 an der Universität Leipzig und der englischen University of Leicester ab.

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