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Istanbul-Konvention: Studie will Gewalt gegen Frauen beleuchten

Die Universität Bremen sucht für eine Studie Frauen, die Gewalt erlebt haben und über Erfahrungen mit dem Hilfesystem berichten.

Das Institut für Public Health und Pflegeforschung sucht für eine Studie Frauen, die Gewalt erlebt haben und über ihre Erfahrungen mit dem Hilfesystem in Bremen und Bremerhaven berichten. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wo es bei den Beratungs- und Hilfeeinrichtungen Verbesserungsbedarf gibt. Die Studie gehört zu einem Plan des Landes Bremen, die sogenannte Istanbul-Konvention umzusetzen, die im Januar 2018 in Deutschland in Kraft trat.

„Gewalt gegen Frauen und Kinder ist ein strukturelles Element unserer Gesellschaft. Die Istanbul-Konvention bezeichnet diese Gewalt als Menschenrechtsverletzung“, sagt Professor Henning Schmidt-Semisch von der Abteilung Gesundheit und Gesellschaft im Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen. Gemeinsam mit PD Dr. Iris Stahlke leitet er die „Studie zur Ermittlung der Erfahrungen von Gewaltbetroffenen Frauen* im Bremer Hilfesystem“, die sie mit ihrem Team im Auftrag der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz durchführen.

Istanbul-Konvention verpflichtet Länder, Betroffene zu schützen

Die Istanbul-Konvention ist das erste rechtsverbindliche regionale Instrument, das sich mit verschiedenen Formen von Gewalt gegen Frauen befasst. Es verpflichtet Bund und Bundesländer Gewalt vorzubeugen, effektiv zu bekämpfen, die Strafverfolgung zu gewährleisten und von Gewalt Betroffene umfassend zu schützen. Hierfür sollen alle einschlägigen staatlichen Behörden, Einrichtungen und Organisationen unter Einbindung nichtstaatlicher Organisationen und der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.

Erfahrungen mit Behörden und Ämtern im Mittelpunkt

„Wir möchten herausfinden, welche Erfahrungen die betroffenen Frauen beispielsweise mit Beratungsstellen, der Polizei oder in Ämtern gemacht haben“, erklärt Iris Stahlke. „Zwar haben wir schon mit den Befragungen begonnen, suchen aber noch weitere Frauen, die ihre Erfahrungen mit uns teilen“. Der Bremer Senat erhofft sich davon, mehr Anhaltspunkte zu bekommen, um im Hilfesystem gezielte Verbesserungen vorzunehmen.

Das Besondere: Es geht vor allem um die Perspektive der betroffenen Frauen. Als erstes Bundesland hat Bremen im Zuge der Umsetzung der Istanbul-Konvention sogar einen Betroffenenbeirat implementiert. Die Studie des Instituts für Public Health ist jetzt ein weiterer Schritt. „Dass die subjektive Erfahrung der Frauen einbezogen wird, könnte Modellcharakter für andere Länder haben“, betont Professor Henning Schmidt-Semisch. Im November werden die Ergebnisse auf einem überregionalen Fachtag vorgestellt.

Weitere Teilnehmende gesucht

Für die Studie werden aktuell noch Teilnehmende gesucht. Teilnehmen können von Gewalt betroffene Frauen, die in den letzten fünf Jahren in Bremen oder Bremerhaven Hilfe gesucht haben und bereit sind, ihre Erfahrungen mit dem Hilfesystem im Gespräch zu schildern.

Wer Interesse an einer Teilnahme hat, kann sich per Mail bei hilfesystem-studie@uni-bremen.de oder telefonisch unter: +49 421 218-68879 (dienstags 16:00 bis 19:00 Uhr und donnerstags 09:00 bis 12:00 Uhr) melden.

Mehr zur Istanbul-Konvention unter Istanbul-Konvention auf bremen-sagt-nein.de.

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