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Damals: Bebel, Kafka oder Tristan?

Über die Mühen, der Uni einen Namen zu geben

„Am 13. August jährt sich zum 60. Mal der Todestag August Bebels, des Mitbegründers und großen Führers der deutschen Sozialdemokratie. Die Unterzeichneten fordern den sozialdemokratischen Senat der Freien Hansestadt Bremen auf, diesen Tag zum Anlass zu nehmen, der Universität den Namen August-Bebel-Universität zu verleihen.“ So beginnt die im Juni 1973 verfasste Denkschrift einer Initiative aus Hochschullehrerinnen und -lehrern, Dienstleistern, Betriebsräten und anderen Persönlichkeiten.

Die Mehrheit einer Delegiertenversammlung des SPD-Unterbezirks Bremen-Stadt griff die Idee auf und empfahl in einem Brief vom 26. Juni dem Senat die Verleihung. Auch der Konvent der Universität Bremen stimmte mehrheitlich der Initiative zu. Die Einigung auf August Bebel kam auch daher, dass seine Verdienste für die Arbeiterbewegung und die Sozialdemokratie unbestritten waren. Für den überweigenden Teil der sozialdemokratischen und sozialistischen/kommunistischen Gruppierungen war er die letzte gemeinsame Konsensfigur – auch wenn man sich darüber stritt, welche Interpretation denn nun die richtige sei: War Bebel der entschiedenste Gegner der Revisionisten oder war er eher ein bedeutender Wissenschaftler, ein Revolutionär oder gar der große Warner vor dem 1. Weltkrieg?

Nicht nur Begeisterung

Ungeachtet dessen stieß die Initiative nicht nur auf Begeisterung. Nach dem damaligen Bildungs-senator Moritz Thape formuliere die Universität damit gesellschaftliche Ansprüche, die sie noch gar nicht erfüllen könne. Auch entspreche der Personenkult, wie Job Günter Klink anmerkte, nicht hanseatischer Tradition. Da half auch nichts, dass Horst-Werner Franke die Namensgebung unterstützte. Zunehmend führte die Diskussion in der SPD dazu, innerparteiliche Streits auszutragen. Doch auch von anderer Seite ließ die Empörung nicht lange auf sich warten: Die Bremer Sektion des Bund Freiheit der Wissenschaft erachtete die Universität Bremen als kein würdiges Denkmal für August Bebel - stelle sich doch die Frage, wie lange die Universität noch sozialdemokratisch bleiben werde.

Brodelte es auch auf vielen Ebenen, so ist offiziell doch nichts passiert. Der Senat sah sich als nicht zuständig an, da eine Namensgebung in den Kompetenzbereich der Bremischen Bürgerschaft falle. Die Vermutung, dass die Initiative verpuffe, wenn deren Umsetzung nicht bis zum geplanten legendären Datum erfolgt, bestätigte sich. Zwar stellten der SHB (seiner Zeit noch Sozialdemokratischer Hochschulbund) und der MSB (Marxistischer Studentenbund Spartakus) Ende Oktober nochmals den Antrag im Akademischen Senat, den Bildungssenator aufzufordern, die Namensgebung einzuleiten - aber dieser wird, nachdem erstmals vertagt, Ende November nur noch zur Kenntnis genommen.

… und dann kam Kafka ins Spiel

In der Hoffnung, kompetente Unterstützung zu erfahren, sprach der damalige Vorsitzende des SHB den späteren Rektor, Prof. Dr. Hans-Josef Steinberg, nochmals auf die Initiative an, als sie sich dem Gebäude GW2 näherten, das kurz vor der Einweihung stand. Während Steinberg so das GW2 betrachtete, kam ihm jedoch spontan ein ganz anderer für die Uni passender Name in den Sinn: Franz Kafka.

War diese Episode erstmal beendet, so gab es doch weitere Versuche, die Universität mit einem Namen zu beehren. Eine Privatinitiative erachtete Rudolf-Alexander-Schröder als die geeignetste Persönlichkeit, die Bremer Universität zu repräsentieren, da dieser vermutlich der letzte große Vertreter der deutschen Gelehrtenrepublik sein werde. Aber auch diesem Versuch konnte aufgrund mangelnder rechtlicher Möglichkeiten des Senats nicht stattgegeben werden. Eine andere Form, ihrem Anliegen Gewicht zu verleihen, wählte eine autonome FrauenLesbengruppe. Sie nahm den bundesweiten Frauenstreiktag am 8. März 1994 zum Anlass, der Universität Bremen autonom den Namen der bedeutenden Sozialistin Flora Tristan zu verleihen. Sprühaktionen und eine lebensgroße Nachbildung Tristans, aufgestellt im GW2, unterstützten ihre Forderung.

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