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Ein besonderes Semesterprojekt

Wie geht man in Corona-Zeiten mit dem bereits geplanten Chor- und Orchesterprojekt um?

Jedes Jahr bietet Universitätsmusikdirektorin Dr. Susanne Gläß ein zweisemestriges Gemeinschaftsprojekt von Chor und Orchester der Universität Bremen an. Für das Sommersemester 2020 hatte die Dirigentin außerdem eine Kooperation mit Kopenhagen geplant – samt gegenseitigem Besuch. Doch dann kam Corona dazwischen.

Viele Theater, Musikerinnen und Musiker haben schnell auf die Krise reagiert. Durften sonst eher selten Probenausschnitte öffentlich vor der Premiere gezeigt werden, wurden die sozialen Medien plötzlich von Online-Live-Vorstellungen, Homeoffice-Konzerten und vielen kreativen Projekten geflutet.

Orchester funktioniert jetzt anders

Doch wie geht man mit dem bereits geplanten Chor- und Orchesterprojekt um, wenn es nicht mehr wie geplant funktioniert, fragte sich Susanne Gläß. Die Proben konnte sie nicht eins-zu-eins auf Online-Lehre umstellen. Für den Chor schien eine Probe via Videokonferenz unmöglich. „Es ist zeitlich nicht präzise zu koordinieren, dass alle zusammen singen, bei den Übertragungswegen erreichen wir eine physikalische Grenze“, erklärt die Chorleiterin.

„Ach, das könnte doch Spaß machen!“

Als Simon Knobbe, 1. Trompeter des Uni-Orchesters, einige Stimmen von Bruckners Sinfonie in d-Moll aufnahm, in einem Selbstversuch zusammenmontierte und auf Instagram online stellte, kam Susanne Gläß eine Idee. „Ein digitales Projekt? Ach, das könnte doch Spaß machen!“ Dafür wählte sie Maurice Ravels „Boléro“ als „Corona-Ersatz-Stück“ aus. Die Orchestermitglieder, die sich auf das alternative Projekt einließen, spielten ihre Stimme Abschnitt für Abschnitt zu Hause ein. Am Computer wurde dann alles zusammengesetzt.

Simon Knobbe hat uns dieses private Video zur Verfügung gestellt:

©privat

Simon Knobbe unterstützt den Orchesterkollegen und Tontechniker Gerd Anders bei der technischen Umsetzung des Projekts. Er montiert die einzelnen Spuren zusammen, die ihm die Orchestermitglieder schicken, vergleicht die Tonspuren und korrigiert sie rhythmisch, so dass sie in perfektem Einklang zusammenpassen.

Für die Musikerinnen und Musiker ist es eine neue Erfahrung der Orchesterarbeit. Die Studentin Charlotte Fiedler ist seit vier Semestern dabei. „Ich finde es gut, dass wir trotzdem weiter zusammen musizieren – wenn auch virtuell“, sagt die Flötistin.

Lautsprecherorchester

Das Ergebnis dieser Arbeit ist schon jetzt in einer Installation in der Kulturkirche St. Stephani zu hören, später wird es auch noch eine Videocollage geben. Und so kommt es doch noch zu dem geplanten abschließenden „Auftritt“ zu Semesterende – wenn auch auf ganz andere Art und Weise: als Lautsprecherorchester.

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