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Größte Korallenriffkonferenz erstmals in Bremen

Erstmals findet die weltweite Korallenriffkonferenz in Europa statt – und zwar in Bremen. Hier gibt es geballtes Know-how.

Vom 19. bis 23. Juli 2021 diskutieren rund 1.200 Teilnehmende über die Bedeutung und Bedrohung der Korallenriffe. Beim International Coral Reef Symposium (ICRS) tauschen sie neueste Erkenntnisse aus und besprechen, wie man diese bedeutenden Ökosysteme besser schützen kann. Denn weltweit sind nur noch weniger als 30 Prozent aller Korallenriffe in einem guten Zustand. Warum organisiert die Universität Bremen das ICRS? Das Bundesland ist ein bedeutender Standort in der Meeresforschung.

Das ICRS ist die mit Abstand wichtigste Weltkonferenz, die sich mit den Ökosystemen der Korallenriffe beschäftigt. Seit 1967 treffen sich normalerweise alle vier Jahre Forschende, um ihre aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten vorzustellen, aber auch Personen, die in den Bereichen Küstenmanagement, Umweltschutz und Politik tätig sind. Der aktuellen Konferenz kommt eine besondere Bedeutung zu. Denn weltweit gibt es eine Korallenriffkrise. Die Existenz dieser Ökosysteme ist bedroht. Ursachen sind vor allem der Klimawandel, die Überfischung und die Verschmutzung der Meere.

Erstmals findet das ICRS in seiner über 50-jährigen Geschichte nun in Bremen, Deutschland und Europa statt. Der Meereswissenschaftler Professor Christian Wild von der Universität Bremen hatte sich bei der Internationalen Korallenriffgesellschaft des ICRS erfolgreich beworben. Mit der Ausrichtung der 14. Weltkorallenriffkonferenz in Europa soll auch ein Zeichen gesetzt werden, dass die Länder Europas Verantwortung übernehmen. Denn die Hauptverursacherinnen und -verursacher des Klimawandels sind die entwickelten Länder mit ihren hohen CO2 Emissionen.

Prof Christian Wild Copyright Harald Rehling Universitaet Bremen
„Weltweit sind nur noch weniger als 30 Prozent der Korallenriffe in einem guten Zustand“, warnt Professor Christian Wild von der Universität Bremen, der die Korallenriffkonferenz mit seinem Team organisiert.
© Harald Rehling / Universität Bremen

Christian Wild beschäftigt sich mit seiner Arbeitsgruppe Marine Ökologie an der Universität Bremen seit vielen Jahren mit diesen sensiblen Ökosystemen. „Die aktuellen Zahlen zeigen eine dramatische Situation“, sagt der Wissenschaftler. Im Jahr 2016 fielen in der letzten großen Korallenbleiche im australischen Great Barrier Reef etwa 30 Prozent der Steinkorallen zum Opfer. Kurz vor Ausbruch der COVID-19 Pandemie im Februar/März 2020 bleichten auch im bisher weitgehend vom Korallensterben verschonten Süden des Great Barrier Reef, die Steinkorallen großflächig aus. Damit spitze sich die bedrohliche Situation, für das mit etwa 2.600 Kilometern größte Korallenriff der Welt, weiter zu, so Wild. „Global sind 30 Prozent aller Korallenriffe schon verloren, 40 Prozent massiv bedroht und nur noch 30 Prozent in einem vergleichsweise guten Zustand.“

Bremen ist weltweit wichtiger Standort in der Meeresforschung

Nicht nur Christian Wild arbeitet in der Meeresforschung in Bremen. Die Region verfügt auf diesem Gebiet über geballtes Wissen und ein exzellentes Netzwerk an Partnerinnen und Partnern. An der Universität, den angrenzenden außeruniversitären Einrichtungen im Technologiepark Bremen und in der gesamten Region arbeiten Forschende in der Ozeanografie und Umweltphysik, den Marinen Geowissenschaften, Meeresbiologie und -chemie interdisziplinär zusammen. Eingebunden in die Meeresforschung sind auch die Rechts-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Meeres-, Polar- und Klimaforschung ist ein Wissenschaftsschwerpunkt der Universität Bremen, den sie strategisch fördert. Am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen ist der Exzellenzcluster „Der Ozeanboden – unerforschte Schnittstelle der Erde“ angesiedelt. Hier kooperieren Forschende eng mit den Einrichtungen in der Region sowie mit internationalen Partnerinnen und Partnern. So viel unterschiedliche Expertise an einem Standort ist in den Meereswissenschaften deutschlandweit einmalig und weltweit nur an sehr wenigen Standorten realisiert.. Hier beteiligen sich verschiedene Akteurinnen und Akteure der Universität Bremen zum Beispiel das BREMARE-Zentrum für Marine Ökologie und das MARUM. Auch außeruniversitäre Einrichtungen aus dem Land Bremen beschäftigen sich mit Korallenriffen, etwa das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI) und das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Sie alle gestalten das 14. International Coral Reef Symposium über Vertretungen im Organisationskommittee mit.

Neues Konzept für das 14. ICRS wegen der COVID-19-Pandemie

Ursprünglich sollte das 14. ICRS schon im Juli 2020 in Bremen stattfinden. Wegen der Pandemie musste das Symposium verschoben werden. Das ICRS Konferenzsekretariat der Universität Bremen entwickelte dann unter der Leitung von Professor Christian Wild ein neues Konzept: eine rein digitale Veranstaltung, die in diesem Jahr unter dem Titel „14. ICRS 2021 VIRTUAL“ fünf Tage lang vom 19. bis 23. Juli 2021 stattfindet. Zudem soll es im nächsten Jahr – wie ursprünglich geplant – eine Präsenz-Veranstaltung in Bremen geben unter dem Namen „15. ICRS 2022 IN-PERSON“. Sie soll vom 3. bis 8. Juli 2022 in Bremen stattfinden. Im Endeffekt richtet die Universität Bremen als Veranstalter nun also zwei Weltkorallenriffkonferenzen aus.

Vorträge und Ausstellungen in Bremen 2021

Um auf die Bedeutung und Bedrohung der Korallenriffe aufmerksam zu machen, plant das Organisationsteam des ICRS in diesem und nächsten Jahr zahlreiche Veranstaltungen in der Hansestadt gemeinsam und mit Unterstützung folgender Partner: dem Übersee-Museum Bremen, dem Haus der Wissenschaft, der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE und dem Magazin Science Notes.

Überseemuseum Bremen

Bereits seit Mai dieses Jahres ist im Übersee-Museum Bremen die Ausstellung „Korallenriffe – vielfältig. verletzlich. verloren?“ zu sehen. Besucherinnen und Besucher können dort bis zum 10. Juli 2022 alles Wissenswerte über die Bedeutung der Korallenriffe für die Ozeane sowie über ihre Bedrohungen durch Überfischung, Verschmutzung, Klimawandel und Ozeanversauerung erfahren. Die Ausstellung ist zweisprachig (englisch/ deutsch) und somit auch für internationale Gäste Bremens einen Besuch wert. Gemeinsam kuratiert wurde sie vom Übersee-Museum Bremen und dem Organisationsteam des ICRS 2021 der Universität Bremen. Begleitend zur Ausstellung erläutert am 21. September 2021 der Sachbuchautor Heinz Krimmer „Wie Korallen unsere Welt verändern“.

Virtueller Themenabend

Das Magazin Science Notes lädt am 4. November 2021 zu einer Abendveranstaltung ein, die sich vor allem an das junge Publikum richten. „Was tun gegen die Korallenriffkrise?“ ist das Thema der virtuellen Veranstaltung. Es informieren und diskutieren Professor Christian Wild sowie Dr. Carin Jantzen von SECORE INTERNATIONAL – give coral reefs a future.

Weitere Informationen:

Hier erfahrt ihr mehr über die Korallenriffkonferenz: www.icrs2021.de

Auf dieser Website gibt es Infos zu Professor Christian Wilds Arbeitsbereich an der Uni Bremen: www.uni-bremen.de/marine-ecology

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