„Ich wollte schon immer tanzen“

Alexa Voß gibt uns einen Einblick in ihren Alltag zwischen Studium und Leistungssport

Lehre & Studium / Campusleben

Die 22-jährige Alexa Voß studiert im dritten Semester den Bachelor Digitale Medien an der Universität Bremen und ist dieses Jahr mit ihrer Tanzgruppe bei den Dance World Cup Finals in Dublin angetreten. Wie sie ihr Studium und ihre Leidenschaft fürs Tanzen miteinander vereinbart, erzählt sie im Interview mit up2date.

Wie sieht dein Alltag zwischen Uni und Tanzsport aus?

Ich wohne und tanze in Bremerhaven, aber studiere in Bremen. Meistens schiebe ich meine Vorlesungen in den Vormittag, damit ich rechtzeitig zum Training wieder nach Bremerhaven fahren kann. Die Anwesenheitspflicht im Studium ist meist zum Glück nicht so streng. Bei den Kursen mit Anwesenheitspflicht fanden die Vorlesungen an trainingsfreien Tagen statt, sodass es bisher gut geklappt hat.

Letztes Semester habe ich mir zum Beispiel Mathe in den ersten Block gelegt. Dann musste ich um fünf Uhr aufstehen, um pünktlich um acht Uhr in der Vorlesung zu sitzen. Der Uni-Tag ging dann bis 16 Uhr. Je nachdem, wie die Züge fahren, kann es stressig werden, wenn das Training um 18:15 beginnt. Manchmal habe ich dann nur ein paar Minuten Zeit, um den Zug zu bekommen. Wenn ich ihn verpasse oder er Verspätung hat und wir gerade in der Wettkampfphase sind, ist das blöd. Da kann ich im schlimmsten Fall nur später dazukommen, oder nachfragen, ob Änderungen im Tanz mitgefilmt und in die Gruppe geschickt werden können. Dann muss ich das selbst nochmal nachträglich üben.

Treffen mit Freunden lege ich mir aufs Wochenende, weil ich da die meiste freie Zeit habe. Manchmal habe ich das Glück, dass ich ein, zwei Tage in der Woche komplett frei habe. Meine Familie sehe ich dann zwischendurch, wenn ich Zuhause bin, oder am Wochenende.

Wie bist du zum Tanzen gekommen?

Es war schon immer mein Traum zu tanzen und den werde ich auch nicht loslassen. Mit sechs habe ich angefangen und bin jetzt 16 Jahre dabei. Vor der Tanz-Etage Bremerhaven war ich ein Jahr noch in einer kleineren Schule und dann wurde mir die Tanz-Etage empfohlen. Aktuell tanze ich Ballett, Modern Dance, Jazz und Stepp. Zwischendurch machen wir auch Commercial oder Heels Dance, also das Tanzen auf hohen Schuhen. Dafür haben wir einen festen Stundenplan.

Alexa Voss posiert in einem Tanzsaal und lächelt in die Kamera.
Schon von klein auf, war es Alexas großer Wunsch zu tanzen.
© Leona Hofmann / Universität Bremen

Wie setzt sich dein Trainingsplan aktuell zusammen?

Den Stundenplan erstellt unsere Trainerin. Je nachdem, wie nah ein Wettkampf bevorsteht, wird er bei Bedarf angepasst. Dann fällt zum Beispiel mal Modern Dance aus und wir machen stattdessen Jazz. Momentan bin ich bei sechs Stunden, also drei Mal die Woche Training. Manchmal schiebt sich das ins Wochenende. In meiner Altersklasse studieren und arbeiten viele. Unsere Trainerin richtet sich dann danach, wann wir können. Am Wochenende legen wir das Training meist auf einen Vormittag für zwei Stunden, manchmal auch mehr.

Du warst dieses Jahr bei den World Dance Cup Finals in Dublin. Wie liefen die Vorbereitungen für dich und was bedeutete dir die Teilnahme?

Letztes Semester konnte ich mich aufgrund der Finals für viele Uni-Kurse nicht anmelden, da es zeitlich nicht gepasst hat. In den Kursen, die ich stattdessen gewählt habe, hatte ich das Glück, dass ich keine Prüfungen schreiben musste, sondern nur Essays und Projektarbeiten. Bis jetzt lief es ganz gut, sodass ich keine Beratungs- oder Unterstützungsangebote seitens der Uni gebraucht habe, um das Semester zu strukturieren. Dennoch war das letzte Semester stressig und aufregend zugleich. Es war auch das erste Mal überhaupt, dass ich ins Ausland geflogen bin.

Es ist schon etwas Anderes, wenn man bei den Finals gegen die ganze Welt antritt, als in der Qualifikationsphase in Deutschland. Nachdem wir die Qualifikation geschafft haben, sind wir nochmal ins Detail gegangen. Wir nennen das “die Tänze sauber machen“, also zu schauen, ob der Kopf richtig ausgerichtet ist und wo die Hände sind. Mit denselben Tänzen sind wir dann zur WM gefahren. Das waren der Jazz-Tanz „Zoot Suit Boogie“, der Stepptanz „Mr. Pinstripe Suit“, der Showstopper „Sail With Us“ und „Think Big“ als Commercial.

Die Vorbereitung auf einen Wettkampf vor Ort ist bei jeder und jedem anders. Einige hören sich nur die Musik an, andere gehen die Tänze im Kopf durch. Ich zum Beispiel tanze die Schrittfolge vorher noch einmal komplett durch.

Leider haben wir in Dublin keine Medaillen ergattern können, da die Konkurrenz sehr stark war. Dennoch habe ich mit meiner Gruppe den 7., 10., 11. und 21. Platz gemacht, teilweise mit bis zu 36 Gegner:innen pro Kategorie. Das ist eine großartige Leistung und hat mich sehr stolz gemacht.

Mindestens drei Mal pro Woche trainieren Alexa und ihr Team für anstehende Auftritte oder Wettkämpfe.
© Leona Hofmann / Universität Bremen

Hast du eine Lieblingschoreografie?

Ich persönlich mag unseren „Mr. Pinstripe Suit“-Tanz sehr. Das ist die Stepptanz-Choreografie, mit der wir beim Wettkampf in Dublin angetreten sind. Die ist nach einer Zeit richtig anstrengend, aber ich liebe die Musik.

Was würdest du anderen Studierenden raten, die Sport auf Spitzenniveau neben dem Studium betreiben wollen?

Ich würde vorschlagen, sich bei der Uni als Leistungssportler:in zu melden. Dadurch bekommt man extra Hilfe bei den Stundenplänen und bei Absprachen mit Dozent:innen, falls man zur Prüfungszeit nicht da ist. Ich bin sehr dankbar, dass alle so hilfsbereit und entgegenkommend sind, egal ob Dozent:innen oder Trainer:innen.

Hast du schon weitere Ziele oder Pläne?

Sportlich gesehen, versuche ich auf jeden Fall mein Leben lang zu tanzen. Nächstes Jahr werden wir voraussichtlich an der Dance Unit in Österreich teilnehmen und wir planen eine eigene Show. Normalerweise ist die Tanzschule eher eine Show-Schule, das heißt wir haben häufig öffentliche Auftritte, zum Beispiel für Sponsoren oder am Stadttheater Bremerhaven. Die Wettkämpfe kamen sozusagen als „Belohnung“ erst nach der Corona-Pandemie dazu, da wir in der Zeit leider nicht vor Ort zusammen tanzen konnten. Ich kann schon mal verraten, dass wir anlässlich des 200. Geburtstags der Stadt Bremerhaven unsere Choreografie „Sail with us“, die wir 2025 als Botschafter der SAiL exklusiv aufgeführt haben, noch einmal aufführen werden.

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