Über Werte ins Gespräch kommen

Wie Teams den Werte-Kompass im Arbeitsalltag nutzen

Campusleben

Ob Teamorientierung, Zuverlässigkeit oder Selbstständigkeit: Welche Werte im Arbeitsalltag zählen, davon hat wahrscheinlich jede der 1.400 Mitarbeitenden in Verwaltung und Technik eine Vorstellung. Ins Gespräch kommt man darüber allerdings nur selten. Hier soll der Werte-Kompass helfen, den es an der Universität Bremen seit Anfang 2025 gibt. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Kanzlerin Frauke Meyer hat nach einer Befragung der Beschäftigten elf Werte festgelegt, die den Arbeitsalltag prägen sollen.

Eine Infoseite zum Werte-Kompass gibt es bereits, ebenso wie eine Wertebox mit Karten, auf denen die einzelnen Werte erläutert und Fragen zur Diskussion im Team formuliert sind. „Dennoch stellt sich in vielen Teams die Frage, wie man über den Werte-Kompass ins Gespräch kommen kann“, sagt Alexandra Baumkötter aus dem Team der Personalentwicklung, die das Projekt „Werte-Kompass“ verantwortet. Deshalb bieten sie und ihr Team Workshops für Führungskräfte und Mitarbeitende an. Wie darüber hinaus einzelne Teams mit dem Wertekompass arbeiten können, erzählen Dennis Steffens, Leiter des Sekretariats für Studierende, sowie Anika Müller-Karabil und Martina Behrens, Mitarbeiterinnen im Sprachenzentrum der Hochschulen im Land Bremen (SZHB).

Dennis Steffens, Sekretariat für Studierende: „Die Stimmung im Team hat sich verbessert“

Dennis Steffens: „Wie wahrscheinlich in vielen Teams gibt es bei uns ein hohes Arbeitsaufkommen: Die Bewerbungszahlen nehmen zu, gerade zu Stoßzeiten gibt es viel Stress. Umso wichtiger finde ich es, regelmäßig darüber zu reflektieren, wie wir im Team miteinander umgehen und auch, wie wir mit anderen Teams zusammenarbeiten.

Als der Werte-Kompass im April 2025 offiziell vorgestellt wurde, waren viele Teammitglieder bei der Infoveranstaltung in der Keksdose dabei. Das Interesse war also groß. Deshalb haben wir überlegt, wie wir gemeinsam mit dem Werte-Kompass arbeiten können.

Im Zentrum des Bildes liegt eine bunte Box, mit einem Kompass-Symbol in der Mitte. Von dem Kompass gehen einzelne Streifen aus, mit jeweils einer anderen Farben. Unten links auf der Box steht die Aufschrift „Wertebox. Kartenset für den Austausch im Team“.
Die Wertebox kann beim Austausch im Team helfen: Sie enthält alle Werte mit Reflexionsfragen.
@ Leona Hofmann / Universität Bremen

Ungefähr alle drei bis vier Wochen treffen wir uns im Rahmen unserer Referatssitzungen nun zu einem Austausch zum Werte-Kompass, der etwa 15 bis 30 Minuten dauert. Abwechselnd suchen sich verschiedene Mitarbeitende jeweils einen Wert aus und stellen ihn den anderen vor. Für die entsprechende Vorstellung gibt es keinerlei Vorgaben, so dass diese ganz unterschiedlich ausfällt. Manche Kolleg:innen erzählen einfach etwas dazu, teilweise gibt es auch PowerPoint-Präsentationen und Spiele. Anschließend tauschen wir uns in Kleingruppen oder im gesamten Team über den jeweiligen Wert aus. Zudem haben wir uns auch schon in kleineren Gruppen getroffen, um uns dem Wertekompass mit Hilfe der Wertebox ‚spielerisch‘ zu nähern und einzelne Werte mit Bezug auf unsere Arbeitssituation zu diskutieren. Hierbei sprechen wir vor allem darüber, wie uns die Werte in unserer täglichen Arbeit helfen können, das Miteinander und die Zusammenarbeit, auch mit anderen Stellen, zu verbessern.

Wichtig ist mir dabei, dass wir nicht einzelne Konflikte oder Probleme thematisieren, sondern dass wir uns einfach austauschen, auch einmal Erfolgsgeschichten erzählen und darüber sprechen, welche Werte bei diesen Erfolgen eine Rolle gespielt haben. Ich war überrascht, wie lebhaft die Diskussionen waren, wie offen die Mitarbeitenden im Rahmen der Gespräche sind und dass sich auch Mitarbeitende geäußert haben, die sonst eher ruhig sind. Es gab eine große Offenheit und viel Selbstreflexion. Insgesamt finde ich, dass sich die Stimmung im Team verbessert hat.“

Anika Müller-Karabil und Dr. Martina Behrens: „Der Werte-Kompass bietet einen guten Gesprächseinstieg“

Dr. Martina Behrens: „Als der Werte-Kompass neu war, gab es bei uns im Sprachenzentrum bei einigen den Wunsch, ihn besser kennenzulernen. Diese Kolleg:innen haben an den entsprechenden Fortbildungen teilgenommen. Außerdem wollten wir uns auch gemeinsam im Team mit dem Werte-Kompass auseinandersetzen. Deshalb haben wir Alexandra Baumkötter eingeladen, für uns am SZHB eine Fortbildung anzubieten. Nachdem sie den Werte-Kompass noch einmal kurz vorgestellt hatte, haben wir anschließend in Kleingruppen über einzelne Werte gesprochen und überlegt, wie wir die zukünftige Arbeit mit dem Werte-Kompass gestalten können.

Inzwischen haben wir die Arbeit mit dem Werte-Kompass in unser Format „Pädagogischer Mittag“ integriert. Dabei treffen wir uns einmal im Monat für 90 Minuten und sprechen über verschiedene Themen. 45 Minuten davon sind jetzt immer für den Werte-Kompass reserviert. Zu Beginn stellt jemand aus dem Team einen Wert vor. Anschließend tauschen wir uns dazu in Kleingruppen aus und machen zum Abschluss noch eine gemeinsame Runde im Plenum. Dabei sind uns die Karten aus der Wertebox hilfreich. Jeder Wert wird erklärt und durch Fragen die Diskussion angeregt.“

Anika Müller-Karabil: „Im Gespräch miteinander merken wir, dass es bei einzelnen Werten oft unterschiedliche Ansichten und Definitionen gibt. Es gar nicht unser Ziel, diese aufzulösen und zu einer gemeinsamen Definition zu kommen. Für uns ist eher der Weg das Ziel: Wenn ich zum Beispiel verstehe, dass jemand im Team eine andere Vorstellung von hat, kann ich auch besser nachvollziehen, warum er oder sie in manche Dingen anders sieht.

Der Werte-Kompass bietet hier einfach einen guten Einstieg ins Gespräch, weil er einen neutralen Gesprächsanlass schafft. Wenn jemand von sich aus anfängt, über Werte zu sprechen, fragt man sich ja schnell: Ist etwas passiert? Geht es um einen konkreten Konflikt? Beim Wertekompass hingegen ist das anders. Man kann einfach miteinander ins Gespräch kommen.“

zurück back


Auch interessant…