up2date. Das Onlinemagazin der Universtiät Bremen

Was bedeutet KI für die universitäre Lehre?

Antworten gibt’s beim Tag der Lehre am 29. November

Lehre & Studium / KI

Was für Folgen hat es, wenn Studierende Tools wie ChatGPT für Hausarbeiten und Referate benutzen? Und welche Chancen bietet KI für die universitäre Lehre? Diese Fragen stehen in den Workshops beim diesjährigen Tag der Lehre im Vordergrund. Daneben organisieren die Fachbereiche zahlreiche weitere Angebote.

Der Tag der Lehre hat an der Universität Bremen Tradition: Einmal im Jahr setzen einen Tag lang die regulären Lehrveranstaltungen aus, damit Lehrende und Studierende sich über aktuelle Entwicklungen und die Qualität von Lehre und Studium austauschen und vernetzen können. Als Dies Academicus wird der Tag vormittags in den Fachbereichen und nachmittags zentral organisiert. So vielfältig wie die Fachbereiche sind auch die Angebote: Neben Impulsen und Workshops zu KI finden Veranstaltungen beispielsweise zu Studienmöglichkeiten im Ausland oder zur Feedbackkultur in der Lehre statt. Ausklang des Tages ist die Verleihung des Berninghausenpreises für hervorragende Lehre. Für alle Veranstaltungen können sich Interessierte noch auf StudIP anmelden.

„Künstliche Intelligenz in der Lehre - Erfahrungen und Entwicklungen“ steht als Motto über den zentralen Veranstaltungen am Nachmittag. Dieser wird eingeleitet mit einer Begrüßung und Statements von Professorin Maren Petersen, Konrektorin für Lehre und Studium, sowie Professor Andreas Breiter, Chief Digital Officer der Universität. Professor Hendrik Drachsler, wissenschaftlicher Leiter des studiumdigitale an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Professor für Educational Technologies am DIPF – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, liefert einen einleitenden Impuls.

Anschließend haben Interessierte die Wahl zwischen zwei parallel stattfindenden Sessions: Zum einen präsentiert ein Team aus Lehrenden und Mitarbeitenden des Projekts SKILL sowie des Zentrums für Multimedia in der Lehre KI-Instrumente und erläutert deren Nutzungsmöglichkeiten. Zum anderen berichten Lehrende aus verschiedenen Fachbereichen, welche Erfahrungen sie mit dem Einsatz von KI in ihren Veranstaltungen gemacht haben. Zu ihnen gehören Sarah Brommer, Professorin für Angewandte Linguistik mit Schwerpunkt Textproduktionsforschung, und Stephanie Geise, Professorin für Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Methodeninnovationen, die auf up2date. schon vorab Einblicke in ihre Erfahrungen geben.

ChatGPT als Schreibtool für Studierende – Chance und Herausforderung

„Wie wir in Zukunft schreiben (könnten)“ – so betitelte Sarah Brommer im vergangenen Semester ihr Seminar für Bachelorstudierende der Linguistik. Darin probierten die Studierenden aus, wie gut sich KI-Tools wie ChatGPT, ChatPDF, Research Rabbit, Jenni AI oder Connected Papers zum wissenschaftlichen Schreiben eignen. Sie nutzten die Tools, um einen wissenschaftlichen Text zu verfassen, hielten ihre Erfahrungen in Schreibjournalen fest und fassten die Ergebnisse in einem Manual zusammen. Außerdem untersuchten sie, wie gut ChatGPT in der Lage ist, verschiedene Textsorten wie Rezensionen, Stellenanzeigen, Werbetexte oder Erörterungen selbst zu verfassen, zu analysieren, zu überarbeiten oder zusammenzufassen. Zu den Ergebnissen haben sie eine Publikation verfasst.

Sarah Brommer
„KI-Tools benutze ich in der Praxis nur selten, sie sind aber für mich ein spannender Forschungsgegenstand“, sagt Sarah Brommer.
© Privat

Die Erfahrungsberichte der Studierenden wertet Sarah Brommer auch für ihre eigene Forschung aus. „KI-Tools benutze ich in der Praxis nur selten, sie sind aber für mich ein spannender Forschungsgegenstand“, erläutert sie. Unter anderem leitet sie einen Thinktank zum Einsatz von KI beim wissenschaftlichen Schreiben beim Virtuellen Kompetenzzentrum Künstliche Intelligenz und wissenschaftliches Arbeiten (VK:KIWA). Gemeinsam mit Vertreter:innen der schreibwissenschaftlichen Fachgesellschaften hat sie ein Diskussionspapier zum verantwortungsvollen Umgang mit KI-Tools beim wissenschaftlichen Schreiben und den Implikationen für Institutionen, Forschende, Lehrende und Studierende verfasst, das beim Hochschulforum Digitalisierung erscheinen wird.

Sarah Brommer ist überzeugt, dass sich KI-Schreibtools im Studium etablieren werden. Deshalb ist es ihr ein Anliegen, Studierenden für die Chancen und Risiken der Tools zu sensibilisieren. „Ob mit oder ohne KI – Studierende, die täuschen möchten, finden dazu Mittel und Wege“, sagt sie. Umgekehrt gilt für sie aber auch: Studierende, die einen Anspruch an sich selbst und ihre Arbeit haben, geben ihn nicht auf, wenn sie KI-Tools für ihre Arbeit nutzen können.

Wie KI bei der Datenanalyse helfen kann

Stephanie Geise stellt am Tag der Lehre das digitale Lehrbuch „Einführung in quantitative Forschungsdesigns und Datenanalyse“ vor. Gemeinsam mit anderen Forschenden des Zentrums für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) hat sie es für das Modul „Quantitative Methoden“ des Bachelorstudiengangs Kommunikations- und Medienwissenschaft geschrieben. Die Studierenden lernen darin unter anderem, mithilfe der Programmiersprache R Datensätze wie die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) auszuwerten. Bisher war das Modul als Präsenzveranstaltung konzipiert. Mit einer Förderung des Projekts SKILL (Studierendenzentriert | kollaborativ | innovativ Lehren und Lernen) der Universität Bremen und der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gestalteten die Forschenden es aber zu einem hybriden Format um. „Konkret bedeutet das, dass die Studierenden selbstständig mit dem digitalen Lehrbuch arbeiten. Die Seminarsitzungen dienen dazu, Fragen zu klären und Inhalte zu vertiefen“, sagt Stephanie Geise.

Stephanie Geise
„Insgesamt ergibt der Einsatz von ChatGPT für mich Sinn, wenn man eigenes Wissen mitbringt und genau weiß, wofür es sich eignet und wo seine Grenzen liegen“, sagt Stephanie Geise.
© Beate Koehler / ZeMKI

KI spielt in dem Lehrbuch und dem Seminar in zweifacher Hinsicht eine Rolle. Zum einen nutzten die Forschenden das KI-Tool Midjourney, um Bilder und Videos für das Lehrbuch zu erstellen. Zum anderen lernen die Studierenden in dem Modul, wie sie ChatGPT als Hilfsmittel bei der Datenanalyse einsetzen können. So kann ChatGPT beispielsweise hilfreich sein, um sich Fehlermeldungen erklären oder Funktionen zur Werteberechnung ausgeben zu lassen. Um die Antworten des KI-Tools einordnen und richtige von falschen Antworten unterscheiden zu können, brauche man aber ein Grundverständnis von R, sagt Stephanie Geise. „Insgesamt ergibt der Einsatz von ChatGPT für mich Sinn, wenn man eigenes Wissen mitbringt und genau weiß, wofür es sich eignet und wo seine Grenzen liegen.“

zurück back


Auch interessant…

Universität Bremen