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Erklär mal, Prof: Serotonin, das Glückshormon

Wieso, weshalb, warum? In „Erklär mal, Prof" verraten euch Bremer Forschende, wie die Dinge zusammenhängen. Dieses Mal: Wie wir „gute Laune“ im Gehirn bekommen.

„Viel Glück in 2021“ steht auf dem Kärtchen, das das Marzipan-Schweinchen in der Hand hält. Glückwünsche gehören zum Start ins neue Jahr einfach dazu. Dieses Mal fielen sie besonders intensiv aus – nach dem Pandemiejahr 2020 soll es nun endlich bergauf gehen. Aber wie funktioniert Glücklichsein eigentlich? Was passiert im Körper, wenn wir uns glücklich fühlen? Und können wir selbst etwas dafür tun? Professorin Olivia Masseck von der Universität Bremen hat die Antworten.

Wenn es ums Glücklichsein geht, darf ein Botenstoff in unserem Körper nicht fehlen: Serotonin. Professorin Masseck erforscht das Glückshormon seit vielen Jahren. „Es sorgt dafür, dass wir gute Laune haben. Das passiert vor allem im Gehirn“, sagt die Forscherin, die die Arbeitsgruppe Synthetische Biologie an der Universität Bremen leitet. Ist unser Serotoninspiegel ausgeglichen oder leicht erhöht, sind wir einfach gut drauf, können mit Misserfolgen besser umgehen und haben mehr Geduld.

Serotonin wirkt in Gehirn und Darm

Aber Vorsicht: Zu viel des Guten ist alles andere als förderlich. Denn Serotonin wirkt nicht nur im Gehirn, sondern auch im Darm – dort befindet sich sogar bis zu 95 Prozent des gesamten Serotonins in unserem Körper. „Studien zeigen, dass Krankheitsbilder wie Reizdarm oder Zöliakie mit einem erhöhten Serotoninspiegel im Darm zusammenhängen können“, erklärt Professorin Masseck.

Zu wenig Serotonin ist allerdings ebenso wenig wünschenswert. Denn es schlägt auf die Stimmung. Menschen, die depressiv sind, haben in der Regel einen viel zu niedrigen Serotoninspiegel im zentralen Nervensystem. Das muss in der Regel mit starken Medikamenten behandelt werden. Damit diese Medikamente eines Tages passgenauer und mit weniger Nebenwirkungen angewendet werden können, erforscht Masseck, was Serotonin im Gehirn eigentlich genau macht und welche Rolle der Botenstoff im Gehirn bei Angsterkrankungen oder Depressionen spielt.

In der Arbeitsgruppe „Synthetische Biologie“ kommen molekularbiologische Methoden zum Einsatz.
© C. Schreiber / Universität Bremen

Gutes Gleichgewicht gefragt

Beim Serotoninspiegel gilt also wie so oft im Leben: Wir müssen für das richtige Gleichgewicht sorgen. Doch wie kriegen wir das hin? Unser Körper kann Serotonin nicht alleine herstellen. Das bedeutet, wir müssen es ihm zuführen. Und zwar durch das, was wir essen. „Im Internet werden Lebensmittel beworben, die viel Serotonin enthalten. Das ist aber nur die halbe Wahrheit“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Denn wichtig ist, wie das Serotonin in den Körper kommt. Dabei spielt die Aminosäure L- Tryptophan eine entscheidende Rolle. Denn sie kann die sogenannte Blut-Hirn-Schranke passieren und so tatsächlich ins Gehirn gelangen. Dort gibt es Nervenzellen, die aus der Aminosäure dann das Serotonin bilden können. Die Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor Krankheitserregern und unerwünschten Botenstoffen. Wie ein Türsteher lässt sie nur solche Stoffe rein, die gut fürs Gehirn sind.

Aminosäure ist entscheidend

„Daher ist es wichtig, Lebensmittel zu essen, die diese Aminosäure enthalten. Das sind beispielsweise Nüsse, Eier, Geflügel und Fisch“, sagt Olivia Masseck. Und was ist mit Schokolade? „Ja, Schokolade kann auch einen positiven Effekt haben. Dabei geht es aber eher um einen anderen Stoff, nämlich das Dopamin. Das hat dann eher mit unserem Belohnungssystem zu tun.“

Und was können wir sonst noch für einen gesunden Serotoninspiegel tun? „Sport treiben“, lautet die knappe Antwort. Das hat wieder mit der Blut-Hirn-Schranke zu tun. Denn wie beim Türsteher vor der Disco kommt es auch hier gern mal zu Warteschlangen – weil zu viele Aminosäuren gleichzeitig um Einlass bitten. Wenn wir Sport treiben, verbrauchen unsere Muskeln viele dieser essenziellen Aminosäuren. Die Warteschlange an der Blut-Hirn-Schranke wird kürzer und das L-Tryptophan kommt schneller ins Gehirn.

Ein weiterer Tipp der Biologin: Möglichst immer zur gleichen Zeit schlafen gehen. Das hält die Botenstoffe des Schlaf-Wach-Rhythmus im Gleichgewicht. Auch hier spielt das Serotonin eine wichtige Rolle: Es lässt uns morgens frisch in den Tag starten. „Außerdem ist es eine Vorstufe vom Melatonin, dem Schlafhormon. Ohne Serotonin kein Melatonin. Wie so oft zeigt sich auch hier, dass in unserem Körper vieles zusammenhängt.“

Weitere Informationen

Webseite der Arbeitsgruppe Synthetische Biologie

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